Sämtliche hier wiedergegebenen Texte sind urheberrechtlich geschützt und dürfen ohne ausdrückliche Erlaubnis in keiner Form wiedergegeben oder zitiert werden.
Veröffentlichungen 2010 / 11
Achim Szepanski Pole Position
Achim Szepanski Saal 6
Veröffentlichungen 2011 / 02
Achim Szepanski Verliebt ins Gelingen
work in progress:
http://www.hotelharakiri.de/zimmer-333/
Veröffentlichungen 2012
Achim Szepanski Die Rätsel des Geldes
Achim Szepanski Versuch einer Grenzziehung: Gilles Deleuze und David Foster Wallace
RHIZOMATIQUE meets DE BUG meets MERVE meets HOTELHARAKIRI präsentiert:
Der Kampf um die Pole Position
Lesungen & House & Brainwashing
Do. 7.10. 2010: 20:00 Uhr – 4:00 Uhr Moseleck, Moselstraße 21, Frankfurt/Main
Rhizomatique präsentiert in Kooperation mit dem De Bug Magazin für elektronische Lebensaspekte aus Berlin, dem Merve Verlag Berlin und hotelharakiri die Veranstaltung »Der Kampf um die Pole Position«
Die Veranstaltung besteht aus einer Lesung des Mille Plateaux Gründers Achim Szepanski, der 2010 zwei umfangreiche Romane veröffentlichen wird, Pole Position und Saal 6. Der Philosoph und Merve Autor Marcus Steinweg wird aus seinem neuen Buch Aporien der Liebe lesen. Anschließendes Clubprogramm mit DJ Bleed vom De Bug Magazin. Der scheinbar harmlose, eher wirre Swami Durcheinanda wird seine (gefährlichen) Laughter of truddds einstudieren. Dabei ist zu beachten, das Swami seine gefährlichen Mitarbeiter ebenfalls in das dortige Geschehen einwebt. Er gibt Teachings (Gehirnwäsche) und ähnliches.
www.rhizomatique.com
www.merve.de
www.de-bug.de
www.hotelharakiri.de
Achim Szepanski
Pole Position
Roman
ISBN: 978-3-941816-55-8
ca 750 Seiten, Paperback
ca 19 Euro
rzm 001/ Rhizomatique
Der Roman beginnt mittendrin, gerade weil das Ende in den Anfang zurückschwingt - in die Strandbar eines Kasinos, wo auf Barhockern angerichtet 4 junge Mädchen mit Strohhalmen die Zeit aus ihren Cocktailgläsern saugen. Nathalie, das Girl Nummer 1 einer Gruppe von Tabletänzerinnen, ist seit Wochen verschwunden. Zwei der drei männlichen Protagonisten, die zusammen ein Konglomerat aus freakigen Kunstunternehmen und einen Hedgefonds im Schwellenraum zwischen Bahnhofs- und Bankenviertel in Frankfurt betreiben, sind zurückgeblieben.
Zuvor passiert das: Der Drang, der Endlosschleife des zertifizierten Business zu entkommen, peitscht den philosophiebesoffenen Ich-Protagonisten in die Clubs und Bars des Bahnhofsviertels, lässt ihn unwahrscheinliche Seancen zu Tabletänzerinnen eingehen, die allerdings an den Clubmaschinerien zerschellen, während der äußerst erfolgreiche Multimillionär und Fondsmanager Mansfeld, der das Bahnhofsviertel als Aufzeichnungsfläche für immer ungewöhnlichere Geschäfte entdeckt, trotz einer Finanzkrise um das Jahr 2007 verbissener denn je seine Projekte vorantreibt. Gegen Anti- Bankerslogans wie »Mit Derivaten handeln ist wie auf Pferde wetten« setzt er die Devise: »Mit Derivaten handeln ist wie Pferdchen laufen lassen«, und gewinnt. Das Phantasma, der Sex erfordere das Geld und das Geld ziehe den Sex nach sich, hat für Mansfeld die semantische Spannung eines Siegers, der von dem lebt, was am besten für ihn passt.
Geld ist Zeit und hat die Zeit als Maßstab, aber die Zeit hat keinen Maßstab und kann niemals endgültig kalkuliert werden. Kredit ist Geld und wegen der Fälligkeit der Versuch, die Zukunft zu kalkulieren. Die Logik des Kreditkapitalismus baut auf den Glauben des Spekulanten an die Amortisierung der Schulden in der Rendite.
Aber womit der Ich-Protagonist und vor allem Mansfeld überhaupt nicht gerechnet haben: Tänzerinnen, Models und Pornstars spielen mit den Männern ihr eigenes Spiel, planen Liebe & Sexyness wie Sondereinsatzkommandos. Alles nicht ganz ungewöhnlich, wäre da nicht Snaffu, den ein Unfall im Kindesalter mit der Gabe eines eidetischen Sehvermögens entschädigt hat, mit dessen Hilfe er in einer von Mansfeld angemieteten Villa das Body-Design von Models, eine Mischung aus virtuellem Body-Sculptering und Tätowierungspraktiken übernimmt. Figuren wie Dr. Schönblick tauchen auf, seltsame Schnitt- und Sexualpraktiken werden ausgeübt, obskure Geschäfte gemacht, und wer weiß schon mit welchem Erfolg. Es sind gebrochene Szenen, die durch Inklusionen fortschreiten. Ein Apparat von essayistischen Fußnoten und linguistischen Materialien ergänzt den Roman.
Achim Szepanski
Saal 6
Roman
ISBN: 978-3-941816-57-2
ca 750 Seiten, Paperback
ca 19 Euro
rzm 002/ Rhizomatique
Im fiktiven Erzählraum sind seit dem Roman Pole Position fünf Jahre vergangen. Wir schreiben das Jahr 2013. Die Stadt ist mit ihrer gesamten Dynamik in Saal 6 gesteckt worden. Saal 6 sind die Spekulation und der Fortsturz der Realtime-Zirkulation des vollelektronischen Computerhandels auf den Finanzmärkten, deren scheinbare Pathologien der TopBanker Dr. Dr. Hanselmann mit Hilfe der global operierenden Esperanto Bank zu kurieren glaubt, wenn ihm nur die Einführung des Weltgeldes endlich gelingen würde. Und mit dem Getöse der spekulativen Geldströme schwimmen die Rationalisierungsprozesse der Institutionen, der Marketing– und Werbeagenturen mit. Die Dynamiken der entfesselten Finanzökonomie auf Basis des E-Empire der Telekommunikations-, Computer– und Elektroindustrie bedürfen der Kalkulation einer offenen und ungewissen Zukunft. Die Märkte der Futures und Derivate handeln mit gegenwärtigen Erwartungen über zukünftige Gewinne, bewerten eine kontingente Zukunft danach, wie der Markt selbst sie gegenwärtig bewertet. Doch alles kommt anders, mündet in den opaken und bösen Überraschungsraum, Saal 6. Im Background & Backlash vollzieht sich zeitgleich ein fulminanter Angriff auf die Gestrauchelten und die Ausgeschlossenen, die den Frankfurter Stadtwald untertunneln und dort, umgeben von großen Müllhalden, ihre letzten Widerstandsnester pflegen.
Das ungleiche Paar Alfons und Alonso sitzt am Ententeich - ein ehemaliger Philosoph und ein alternder Starkoch - und beobachtet in zeitenthobenen Dialogen und mit schwingenden Alditüten und Fliegerbrillen die seltsamen Berührungen und Vermischungen der reichen Freizeitobdachlosen und obskuren Politikaktivisten bis in die Bars und VIP-Clubs hinein. Freaky Franky, der Maniker, und Snaffu, der Eidetiker, pflügen zeitgleich mit ihren Ausflügen die von Kunst- und Kreditblasen gleichermaßen gedopten Bankenszenerien, den Stadtwald und das Bahnhofsviertel, berühren sogar die seltsame Brokerwelt des Dr. Dr. Hanselmann. Einzig der Sommer bleibt im Jahr 2013 eine Seitwärtsbewegung.
Ansonsten wird in den Handelsräumen der Esperanto Bank gehedgt, was das Zeug hält, werden Pornohefte kollektiv gelesen und vergleichsweise unsexuelle Interaktionen gepflegt. Dr. Dr. Hanselmann - in der semiemotionalen Zange zwischen der Brokerin Sam Kimberlay und einem Pool von Callgirls - erlebt die tagtäglichen Spannungen im elektrifizierten Sinne einer kontinuierlich und diskret operierenden Signal-Finanzstruktur als sein eigenes Fiasko. Unterstützt von seinem Landsmann Dr. Rütli, dem in Basel anssässigen geistreichen Erfinder für neueste Designerdrogen, ahnt er, dass etwas abwesend Drittes durch die Topologie der Stadt schwingt, das die nach allem und jedem Süchtigen noch süchtiger und die Komischen noch komischer macht, oder so komisch wie sie eben sind. Doch was ist das geheimnisvolle Dritte?
Achim Szepanski
Verliebt ins Gelingen
Roman
ca 700 Seiten, Paperback
ca 18 Euro
Eine Casting-Groteske. Prominenz-Light. Mittelmäßigkeit ist relativ, wenn man bedenkt, dass im Casting in Siumlationskammern Wettkämpfe aller Art ausgefochten werden, jeder gegen jeden, um vor Millionenpublikum zu dokumentieren, dass die einen eher zum Morden, die anderen eher zum Sterben geschaffen sind. Kann man der Spirale aus Freiwilligkeit und Reglementierung, die sich zwischen Gecasteten und Produzenten/Fernsehsendern abspielt, jemals wieder entkommen, wenn sich die Protagonisten erstmal in sie hineingedreht haben? Verliebt ins Gelingen - mit diesem Slogan bahnt sich der Chefjuror der Agentur Superstyle, Conny Island, ein ehemaliger Student der Medienwissenschaften mit außergewöhnlichen intellektuellen Fähigkeiten, in der Casting-Show The Belover seinen Kurs auf das Börsenparkett der Prominenz, während der kaum charismatische Kandidat Walter Baumann sich schon zu Beginn der neuen Staffel als kommender Superstar abzeichnet, aber im Verlauf der Veranstaltung in höchst komplexe Verstrickungen mit einer Gruppe von subversiven Car-Crashern gerät, vor allem mit der eigensinnigen, ja, der beinahe verhexten Kandidatin Marianne, die sich in der Casting-Show TopGirl eines Konkurrenzsenders einen erbitterten Fight mit dem Promikind Anna sowie dem gesamten Coaching-Team der Produktionsfirma Kalt & Kalt liefert, zuletzt mit dem Fernseh- und Internetpublikum und mit der ganzen Welt. Dabei provoziert sie spektakuläre Auftritte und Aktionen, so bahnbrechend, dass sich zerstreute und metastasierende Massenbewegungen herausbilden, deren Popularität sie unablässig beschleunigt. Ihr Spiel gewinnt eine gefährliche Eigendynamik, seltsame und imagesüchtige Managerinnen stehen ihr zur Seite oder auch nicht, Projekte und Imaginationen werden erprobt, Business-Languages gesprochen und das immer auf den Erfolg ausgerichtet. Wer ihn erkämpft, ist dafür niemandem zu Dank verpflichtet, wer verliert, findet keine Adresse, bei der er sich beschweren kann. Ob das Spiel aufgeht?

