Sylvia John / David Foster Wallace

Konvolute zu David Foster Wallace Roman „Unendlicher Spaß“

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Der Himmel ist ein Auge.
Morgenrot und Abendrot sind das Blut, das das Auge speist.
Die Nacht ist das geschlossene Augenlid.
Jeden Tag öffnet sich das Lid,
um Blut zum Vorschein zu bringen und
die blaue Iris eines sich neigenden Riesen.

David Foster Wallace/Kurze Intervies mit fiesen Männern/S. 244

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Das Buch „Unendlicher Spaß“ von David Foster Wallace ist kein gewöhnlicher Roman. Es ist ein Bausatz an animierten Denkmodellen, die vielfältige und wichtige Fragen subsumieren. Wallace hat es selbst so lapidar formuliert: „wie vermag Literatur zu zeigen was es heißt, heute zu leben“.
Der Autor evoziert mit einer ganzheitlichen Übertragungsfähigkeit – Philosophie und Einzelwissenschaften in Literatur: mittels Telepathie von Extremzuständen, weil es ihm dringlich erschien zu zeigen…, “…welche Konsequenz die Praxis der Theorie nach sich zieht; nämlich Courage“.
Überraschend wird der Leser in den Sog artifizieller Sprachleistung und ungewöhnlich multiplen Denkbewegungen nebst Untersuchung qua Argumentation gezogen. Ungewöhnlich meint die Hinwendung zum Gewöhnlichen – auch ein vielfach geäußertes Anliegen vom Autor – Selbstverständlichkeiten – „Default settings“ nicht einfach hinzunehmen.
Auf 1500 Seiten entsteht die Vision der amerikanischen nutzenmaximierten Gesellschaftsentartung. Wallace Quantensprünge im Denken sperren sich gegen einfache Interpretationen. Das Buch ist ebenso schwer zu rezensieren wie ein Lexikon oder Telefonbuch. Je näher man glaubt es zu erfassen, desto mehr entzieht es sich zugunsten eines unantastbaren Ortes des Denkens, einer Freiheit, die laut Wallace nur noch in der Kunst und in einzelnen Wissenschaften und zeitlich absehbar – möglich ist.
Allgemeingültige Begrifflichkeiten halten den Gebrauch einer Überprüfung im Simulationsraum nicht stand und werden unfassbar. Der andere Grund für das „nicht zu fassen kriegen“, liegt schlicht in der Fülle des Materials.
Allenfalls nähert man sich mit einer ähnlichen Methodik einigen exemplarischen Beispielen, wobei die Auswahl schwer fällt, weil sich oft jeder Gedanke als wesentlich erweist.

„Dass die Erfahrung nur aus der Zukunft reinkarnierter Geister kommen kann…..“
Die geschwächte Conditio Humana erfährt keine Entwicklung sondern Erstarrung und wie der Autor die Zivilisationsmüllhalde seziert, kommt nahezu einer mentalen Traumatisierung gleich.
Neben der Themenvielzahl sind Krankheiten wie die Sucht ein zentrales Motiv, die sich elliptisch und ja, hydraulisch gefräßig empor pumpt und in fast jeder Erscheinungsform auftritt, weil man auf alles süchtig sein kann.
Im nichteuklidschen System offenbaren sich die Personen merkwürdig erstarrt gekrümmt oder deformiert. Konvex und konkav sind sowohl Landschaften als auch ein äußerer Bereich des Großhirns. Namen und Bezeichnungen treiben ein mehrfach hierarchisches Spiel von Referenz und Bedeutung und die Analyse als Methode versagt. Die Schönheit des Denkens offenbart sich u.a. im heterotrophen Blick der Dinge. (Quellen finden sich u.a., in Wallace’ Mathematikbuch „Geschichte der Unendlichkeit“ oder im „Tractatus“). Im „Dunstkreis der Sätze“ mutmaßt man Frege, Wittgenstein, Cavell und Beckett.

Die erlittenen Demütigungen der unerlösten Protagonisten nehmen kein Ende, (schlimmer noch, sie setzen sich generativ fort); man denke an das Schicksal von Poor Tony Krause, die Hinrichtung des Attachés mittels Pfählung durch einen Rollstuhlseparatisten oder einen Erstickungstod – dessen Ursache ein Schnupfens & sprachliche Missverständnisse sind. Die zerstörte Schönheit von Joelle aka Mdm. Psychosis bleibt ein Rätsel unter dem Schleier.
Joelle schenkt den Geächteten ihre Stimme im Äther einer Radiosendung, wobei selbst ihre Stimme zum Fetisch, zur Sucht wird und der verunstaltete Mario bemerkt einmal: „Kann man jemanden lieben, den man eigentlich nicht kennt?“
Man beachte z.B. Hals’ horizontale Lage und sein delirierender Daseinsmonolog, der sich in nur 2 Räumen abspielt – die Vergangenheit ist der Raum angefüllt mit den Ausscheidungen seines gesamten Lebens – und die Zukunft – der Raum vollgestopft mit den Nahrungsmitteln, die ihm noch bevorstehen.
Das Wesen der De-ontolgisierung einer in Funktion geronnenen Welt betrachtet Wallace als Gelände der Aporie. Zeit wird in Werbeeinheiten verkauft, die Zukunft ist bankrott.
9 Jahre umfasst der Roman, beginnend mit dem Jahr des Whoppers und endend mit dem Müllsack-Jahr als Synekdoche der Ortung. Es ist ein trauriges Buch durch traurig gemachte Fakten.

Mittels ausgeklügelter Technik involviert der Autor den obsessiven Leser in einen universellen Orbit. Thematische Ausuferungen respektive Erweiterungen als Montage in diverse Wissensgebiete der Sprache, Mathematik, Physik und Film – vermeiden gezielt Chronologie und Narration. Das formale Prinzip der „Schleife oder Schlaufe“ (Wallace), vermittelt paradoxerweise komplexe Zusammenhänge – die anders nicht darstellbar sind, aber auch nicht eindeutig deutbar werden. Die „Totengräberszene“ wird wiederholt im Buch beschrieben, aber mit abweichenden Verläufen führt die Darstellung eines Faktes zu sublinarer Verwirrung. Dem Leser wird die Orientierung genommen.
Indem jegliche Grenzen überschritten werden und wie dies wiederholt geschieht, mit welch anrührender oder brutaler Präsenz die Figuren sich zeigen, ist Gegenstand und Zeichen der Obsession.
Wie anders lässt sich das „Aufgewühltsein“ beschreiben, wenn über Kate Gombert die Depression als ein Wesen, ein „Es“ hereinbricht und sie vom Kotzen der einzelnen Zellen spricht und wie dieser Zustand auf Metaebenen mit medien-therapeutischen „Sprech“ oszilliert und als barbarischer Schauer unserer Kultur mitschwingt – dies alles ist gleichsam verstörend und beeindruckend.

Der Leser ist synchron Entdecker und Gegenstand. Die Strategie von Überwachung durch Selbstkontrolle gipfelt in Manipulationsverkettungen a la „Du siehst ja, wie ich dich sehe, wie du mich siehst“ – bis zu „Kann man sein eigenes Denken denken?“, in denen Sinn und Unsinn folgenreich kippen.
Bspw.: Wie kann es sein, das laut Beschreibung des eindeutig travestierten Steepley – die Person Orin glaubt, Steepley sei eine Frau, weil sie ihn an seine Mutter erinnert? Ist es möglich, daß Orin dies nicht merkt oder merken will?
Das Bizarre an Orins Wahrnehmung ist nicht das Objekt selbst – sondern sein (Orins) Blick auf das Objekt.
Es führt entweder zu einer düsteren Vision Information versus Erfahrung einschließlich dessen, was letzteres überhaupt noch bedeutet. Oder liegt ein deduktiver Syllogismus vor?
Angebliche Falschfährten oder vermeintlich dramaturgischen Fehler tauchen häufig auf und bereiten Magenschmerzen.

Weitere lohnenswerte Untersuchungen: das Eschaton Spiel (Thema Simulation), die Fußnote (als Link, Vertiefungen, Dialog, Komplement) und das eigens von Wallace entwickelte Kapitel über die Filmgeschichte sind Kunstwerke an sich.

„Müssen Krisen bewältigt werden?“
Dem „Kippen“ immanent ist eine latente Verunsicherung und Schwere, die dem Buch anlastet: Menschen in Notsituationen bei gleichzeitiger Anwesenheit von Insekten oder die Story – wie es zur Querschnittslähmung der Separatisten kam.
Steeply und Marathe führen während des gesamten Romans einen Dialog der Mächtigen auf dem höchsten Hügel eines Gebirges,….“ihr Schatten fiel in die Ebene und wanderte durchs Tal…“ – ein Travestiestück von Politik und Verschwörungstheorien.
Das Muster der Fraktale, die Wiederholung, das indirekt Diskrete dennoch inständig Mahnende, dienen als politische Sprengkraft letztlich einem ethischen Diskurs.

„Traue nie dem Schwur, gegeben in der Not. Übles sinnt er dir, so oft er sich des Trickes schämt“.
Das Mitschleppen der schwergewichtigen Mehrfachreferenz von:
a) Individuum, Familie, Gesellschaft, b) Literaturgeschichte (Shakespeare), c) Sprachphilosophie, b) die Hierarchie im Satz), offenbart schwindelerregende Aussichten, die den Leser fortdenkend weiter treibt – denn was dahinter steckt ist nicht das, was/wie es (er)scheint.

Eine der eindrucksvollsten und stark gezeichneten Personen im Buch ist Mario – ein missgestalteter Junge mit nur einem Schönheitsattribut versehen – langen dichten Augenwimpern. Marios grenzenlose Naivität beherbergt ein maximal empathisches Vermögen.
Die komisch innigen Gespräche zwischen den Brüdern Mario und Hal zählen zu den bewegenden im Roman. Sie zwingen in Bereiche vorsprachlicher Intimäten; Freundschaft, Liebe, Verrat etc. und sind wie viele andere Episoden kleine Inseln, die man bewohnen kann.
Es ist die Sorgfalt winzigster Details, die einen Mehrwert hervorbringen und ganz nebenbei einen deutlichen Appell entfachen.
Die eigene Aktivität vorausgesetzt; offenbaren sich verblüffende Einsichten im Ungesagten. Das geschieht indem der Autor Dinge assoziiert, die normalerweise unmöglich gleichzeitig zu denken sind und/oder – wie/wodurch man gezwungen (!) ist in diese oder jene Denkrichtung einzuschlagen, ergo der Text eine eindringliche Nachhaltigkeit bewirkt. Überlagerungen gebrochener Stimmen übertragen sich epidemisch und unwiderstehlich zu einem intellektuellem High Noon und fesselndem Schocker erster Güte. Nachhaltig heißt unendlich oder anders gesagt; „am Ende erfahre man nur sich selbst“ – oder mit der Stimme des Autors: „Man ist – was man aushält“.

Im Fokus der Untersuchungen stehen Hal und seine Familie.

1. Hals’ Bewerbungsessay an der Arizona University
(die Exposition der Grundthemen des Buches gibt Hal in seinem Essay vor der Schulbehörde bekannt)
Seite 20

Hal:
„Neoklassische Prämissen in zeitgenössischen präskriptiven Grammatiken.
Die Implikationen von Post-Fourier-Transformation für ein holografisches mimetisches Kino.
Die Herausbildung des heroischen Stillstandes in der Rundfunk- und Fernsehunterhaltung.
Die Montage-Grammatik und die Semantik dinglicher Modalitäten
Ein Mann der argwöhnte er sei aus Glas
Zur Tertiärsymbolik in justinianischer Erotica“

Hal (dazu): „kann es sein, dass ich was falsches gegessen habe?“

Anmerkung: Zu Erinnerung: Hals Denken ist immerwieder mit seinem oralen Schimmeltrauma verflochten, folglich hat Nahrung einen besonderen Stellenwert.

http://de.wikipedia.org/wiki/Nichteuklidische_Geometrie

2. Totengräberszene

Logistik;
Szene S.27 (Hal ist hier 18 Jahre alt)
Es handelt sich um Hals Fahrt ins Krankenhaus und das von ihm erwähnte gemeinsame Setting – die Totengräberszene mit John Wayne.

„Ich denke an John Wayne, der dieses Jahr das WhataBurger’s gewonnen hätte und der maskiert Schmiere stand, als Donald Gately und ich den Schädel meines Vaters exhumierten“.

und gleichsam erwähnte Szene von Gately am Ende vom Buch (das nicht das Ende ist) – als er im Krankenhaus fieberträumt oder halusziniert.

„Gately ist der beste Gräber, aber er ist übel hungrig, also unbezähmbar hungrig, und isst mit beiden Händen aus Familienpackungen Konzern-Snacks, sodass er nicht richtig graben kann, und es wird immer später, und der traurige Junge will Gately anschreien, dass das wichtige Ding im Schädel des Toten begraben worden sei, und sie müssten die Kontinentalkrise abwenden, indem sie den Totenschädel ausgrüben, bevor es zu spät sei, aber der Junge bewegt die Lippen, ohne dass ein Ton herauskommt, und Joelle van D. erscheint mit Flügeln und ohne Höschen und fragt, ob sie ihn kannten, den Toten mit dem Schädel, und Gately erzählt von seiner Bekanntschaft mit ihm, obwohl er tief drinnen in Panik gerät, weil er keine Ahnung hat, wen die eigentlich meinen, und der traurige Junge hält irgendwas Grausiges an den Haaren hoch und verzieht das Gesicht wie jemand, der voller Panik Zu Spät schreit“.

Anmerkung: Das Träumen Erinnern, Hereinkommen, Herauskommen sind als Scheinbewegungen zu
verstehen und zwingen in eine binäre Denkrichtung, die nicht der Fall ist, fürchte ich. Es handelt sich um Übersetzungen/Übertragungen. Siehe die Exposition von Hal, am Anfang im Prüfungskomiteé (Siehe oben, bzw. S. 18 im Buch: es wird Zeit in Sprache verwandelt, die Grammatik wird umjustiert, die Auswirkungen des Holographiekonzept erscheinen vor dem Erscheinen desselben) Dieser Ansatz verweist auf den gemorphten Status der Objekte und könnte auch den Kopf von Incandenza betreffen, der möglicherweise in Wellen zerlegt und zu Schwingungen versetzt als Geist umherschwirrt. Hal hält den Schädel des ausgegrabenen Vaters ebenso angewidert in der Hand, wie den Schimmel als Kind.

Seite 46 Szene: „Er selbst“ (Incandanza) empfängt Hal in Psychiatermaskerade (Hal ist 10 Jahre alt)
Zitat von Incandanca zu Hal: „….dass sie deinem unschuldig wirkenden Schälchen morgendlicher Ralstanflocken esotherische Mnemoniksteroide beigefügt, die stereochemisch der täglichen subkutanen Mega-Vitamin-Nahrungsergänzungsmittelergänzung deines Vaters nicht unähnlich sind, die aus einem gewissen organischen Testosteron-Regenerationspräperat gewonnen wird, das Jivaro-Schamanen im Becken von South-Central L.A. destillieren“.

Wurden Hal und seinem Vater die gleichen „Mittel“ verabreicht?
(Testosterone, chemische/organische pilzförmige Drogen ?)

Anmerkung: Apfel der Erkenntnis: Stechapfel gilt bei den Schamanen als haluszinogene Wahrheitsdroge – dies steht im Kontext mit Wallace’ Rotationsprinzip/der Heisenbergschen Unschärfe; meint: Objektveränderung durch Messung und ist analog zu betrachten.
Mnemoniksteroide sind Anabolika/Cortisole, die sich an Eiweiße binden

weiter auf s. 47, „er selbst“ zu Hal: ….. dass die supergeheime Zusammensetzung deiner ..Tennisschläger..aus Hi-Modulus-graphitverstärkten Polykarbonat-Polybutylenfasern organochemisch identisch ist mit der des gyroskopischen Balancesensors, der mise en scéne-Bereitstellungskarte sowie der priapistischen Unterhaltungspatrone, die in das anaplastische Zerebrum deines eigenen überragenden Vaters implantiert wurden nach der grausamen Serie der Entgiftungen und Darmverschlingungen……“

Polycarbonate – PC und PB spalten Eiweiße im Körper/bei Erhitzung zum Beispiel in der Mikrowelle (!!!!!), wird Bisphenol abgesondert, führt u.a. zu Erbgutschädigung.
Anaplasie/Zerebrum – Exposition ggü. erdölbezogener Chemikalien. Anaplasie/Astrozytome (Tumore) befinden sich vorwiegend im Bereich der Konvexität; das ist der äußere Bereich des Großhirns, subkortikal. Symptome: Epilepsie, Hirndruck, Papillenödem usw.

Was wurde in Incandenzas Hirn implantiert, was laut Totengräberszene von Gatley Hal und Wayne aus Incandancas „Leichenkopf“ herausgeholt werden sollte?
Es stellt sich die Frage: ist das Masterband im Kopf von Incandenza versteckt, oder wurde eine andere „Karte“ zuvor installiert? (das würde auch das Karten umdekorieren erklären) dann müsste Incandenza ständig in seinem Film sein.

Frage: Der Grund für Incandenzas Mikrowellensuizid?
Ist Incandenza der Mann, der argwöhnte er sei aus Glas?
Die Übertragungen von Gegebenheiten – heterotroph, würden die These der Mandelbrotschen Fraktale/Selbstähnlichkeiten untermauern, aber keine sinnvollen Zusammenhänge darstellen, bspw.; zwischen den Personen Gately und Hal oder was von wem in den Kopf von Incandenza implantiert und später exhumiert wurde. Wahrscheinlich wurde in J. Incandenzas Kopf die Patrone implantiert.
Hal und Gately müssten sich daher begegnet sein, doch dafür gibt es keine Hinweise.
Möglich wäre, dass Hal und Gately beide – die Patrone gesehen haben. Bei Gately könnte das allerdings nur in der Retrospektivgeschichte passiert sein, die er – letzte Buchseiten (Entkartung von Fax) – schildert, während er im Krankenhaus bzw. am Strand liegt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Modallogik

Ein weiterer Möglichkeitsraum für Verschwörungstheorien bestünde in der Annahme, dass Incandenza von den polit. Gegenern manipuliert, operiert und mißbraucht wurde und in diesem Fall könnte bereits die Heirat mit der Kanadierin gesteuert bzw. seine Frau Avril auf ihn angesetzt worden sein.
Incandenza und Hal S. 47.
Er selbst.“:…wünsche, dass du sprichst……. sein eigener verstorbenener Vater würde nicht die Zeitung zur 5. Wand machen und schweigen…dasselbe Schweigen hervorgebracht hat…in 5wändigen Räumen verbracht hat“.
Hal: „hörst du mich überhaupt reden, Dad, es spricht, trinkt Limonade, konversiert mit dir“.
Erselbst:“… eine einzige Konversation erfleht, Amateur oder nicht, die nicht mit Schrecken endet?
Die nicht wie alle früheren endet, du starrst, ich schlucke. Sohn?“

2.a) Ist Hal ein Hologramm?

Hal: Ich bin hier, alles ist in meinem Kopf, holt mich hier raus.

(zur Erinnerung: Fourier/nichteuklidsches System: …. Wellen in Schwingungen zerlegen..)
Zirkulationsprinzip und Metaebenen sind im Schreibprozess vom Autor bereits integriert, ob es sich um Analogien handelt oder sich Seinszustände vermischen.
Der Kreislauf zwischen den Metaebenen lässt keinen induktiven Schluß zu – aber einen deduktiven. Die Referenzen vermehren sich und bilden Subkontexte. Der Roman bewegt sich wie ein Film in Dehnung.
Der Text metastasiert formal ebenso als dynamisches Gebilde ephemeridisch, er (der Text) bleibt somit aktiv.

http://de.wikipedia.org/wiki/Deduktion

Vielleicht haben Hal und Gately die Patrone durch ihre körperlich chemische Disposition (Eiweiß??) überlebt und befinden sich in einer komplexen Dreieckbeziehung – mit dem heiligen Geist „Ihm selbst“ (James Incandenza wird sowohl „Er selbst“ genannt als auch der „Storch“). Andererseits kann man eine Patrone auch löschen.
Zeit in Sprache zu transformieren hieße, wir lesen gelöschte Zeit. Für den Fall, dass Zeit überhaupt eine Rolle spielen könnte im nichteuklidschen System. Das Ende offenbart kein Ende, dass heißt, man müsste sich durch die Chemie, Mathe und Philosophie arbeiten und aus dem literarischen Referenzsystem zurückübersetzen in axiomatische (bzw. nicht axiomatische) Relationen.
Die gleiche Szene wird mehrmals verschieden dargestellt.
„… denke an John Wayne der dieses Jahr das Whata Burger gewonnen hätte und der maskiert Schmiere stand, als Don Gately und ich den Schädel meines Vaters exhumierten…ich weiß, dass ich morgen das Halbfinale spiele…aber es wird zwangsläufig eine unqualifizierte Bedienstete sein, die mich ins Auge fasst, dass was er für mein Auge hält und fragen, laß hören Kumpel, was hast du zu erzählen?“

Noch einmal: Gately und Hal sind sich nie begegnet, berichten aber beide vom gemeinsamen Ausgraben (Totengräberszene) von James Incandenzas Schädel. John Wayne, der kanadische Kommilitone von Hal steht Schmiere.
Versteckt sich hier ein logistisches Problem oder begegnen sie sich seelenverwandt im Rausch der Sucht, in Traumtrance als Referenten von Shakespeare?

3. Humor

„Hal: Ich bin ziemlich antitod, Gott scheint protod zu sein.
Mario: Wie fühlst du dich da drinnen eigentlich?
Hal: Unüberbrückbare Meinungsverschiedenheit,
…..was bekommt man wenn man einen schlaflosen+widerwilligen Agnostiker
mit einem Legastheniker kreuzt ?
??
Hal: Jemanden der sich fragt, ob es einen Nebel nach dem Tod gibt.“
Denk- und deutbar von der amerikanischen Traditionslinie Mark Twains über Konfusions- und Diffusionszustände, in denen das Subjekt außerstande ist zu handeln. Paradoxa wie z.B. „das rechte Bein ist immer kürzer als das linke“ würzen die Fülle der Möglichkeiten an oder zeigen umgekehrt „das Fehlen eines Grundes“.

4. Komplementär

Das Komplementäre ist dissoziativ laut Wallace (Mensch+Patrone= Unendlichkeit// System nichteuklidscher Mathematik+Annulation usw.usf.).
Zur These, dass das Komplementäre als Unendlichkeit zu betrachten ist beantwortet
Wallace in seinem Syllabus (http://alasophia.blogspot.com/2008/09/david-foster-wallaces-syllabus.html mit der Frage nach dem „Unterschied zwischen Komplement und Kompliment“.
Und ist Mario aus dieser dialektischen Betrachtung heraus, nicht das Joelle-complement par excellence?
Ortho Stice – die Person mit dem Attribut „vertikaler Schatten“ versehen und Hal horizontal zum Romanende hin auf dem Boden liegend (sich Räume vorstellend, mit bevorstehenden Speisen und Aborten) und die Objekte in doppeldeutigen „Schnee“, universell verpackt, nicht zu vergessen, die Vielzahl gekrümmter Rücken bebildern das Koordinatensystem wie eine Zahlenleiste. Entitäten existieren in unterschiedlichen Postleitzahlenbereich, wobei aber innerhalb keine Verbindung besteht. Man spürt wie etwas in eine Richtung zwingt, aber nicht „was“ und in „welche“.

5. Zur These das Hal nicht spricht

Die Wiederholung der Szene Incandenza und Hal S. 47.
Er selbst.“:…wünsche, dass du sprichst……. sein eigener verstorbenener Vater würde nicht die Zeitung zur 5. Wand machen und schweigen…dasselbe Schweigen hervorgebracht hat…in 5wändigen Räumen verbracht hat.
Hal: hörst du mich überhaupt reden, Dad, es spricht, trinkt Limonade, konversiert mit dir.
Erselbst: eine einzige Konversation erfleht, Amateur oder nicht, die nicht mit Schrecken endet?
Die nicht wie alle früheren endet, du starrst, ich schlucke. Sohn?“
+
Telefonat zwischen Orin und Hal
>>Orin: „I want to tell, my head is filled with things to say“.
Hal: „I don’t mind. I could wait forever.“<<
Hal spricht sehr wohl in Dialogen mit Orin, den Eta Jungs, Mario usw. und ist nicht unbedingt nur autistisch und durchaus empathisch (Szene mit Mario S. 59). Irgendetwas ist anders, wenn Hal aus der unmittelbaren Subjektive spricht, und das, glaube ich, ist nur zweimal im Buch der Fall.

S. 20, Arizona Universität Fortsetzung
>>Hal: .. ich bin komplex (in Ausführungen)
Sie zwingen ihn auf den Boden. Hal sagt (oder glaubt zu sagen): Hören sie mir doch zu.
Die anderen scheinen nur schreckliche Geräusche von Hal empfangen zu haben.
De Lint (ETA) kommt: lasst ihn los.
Hal: Ich bin nicht, was sie sehen.
Eine Frau schlägt die Hände vors Gesicht:
Hal: Bin ich nicht.<<

>>Hal in Rückenlage auf dem Herrenklo. Subanimalische Geräusche.. wie ein Tier, das was im Maul hat…windendes Tier mit Messer im Auge…Arme waren Dreschflegel….Zeitraffer…etwas fürchterlich Wachsendem…erwürgt, verbrannt…Blick in die Hölle..<<
Anmerkung: Es ist nicht einsehbar, dass Hal akustisch nicht gehört wird, das Nichthören der anderen
markiert die Abwehrreaktion der Zuhörer im „default setting“, gegen die Person Hal. Er erfüllt nicht die Erwartung, man versteht ihn nicht, seine Art des Denkens wird pathologisiert – siehe Hals Thesen am Anfang des Buches. Die Szenen finden ergo so nicht statt, wie es scheint oder da geschrieben steht.
Die Thesen durch Hal in der Bucheingangszene verbreitet, geben die Fortführung der elterlichen Berufe vor, als Überbau vom Buch.
Das nicht-hören, nicht-verstehen, ist auch ein vorgedachter Reflex vom Autor; über die personelle Leerstelle (Ungesagtes erscheint); dass heißt Wallace bringt den Leser in die Versuchung der Interpretation, die ihn als Autor auslöscht. Würde Hal tatsächlich nicht gehört, nicht im Sinne der Abwehr des Gehörten, sondern der gänzlichen Abwesenheit einer Zuhörerschaft, die sich in einem anderen Frequenzbereich aufhält, oder nur von ihm erdacht ist, wäre er Fiction in einem anderen Sinne. Das heißt, wo befindet er sich? Zwar in der Welt, aber ohne Resonanz+ Referenzsystem? Das wäre die gänzlich solipsistische Vision eines David Marksons „Wittgensteins Mistress“.

Weiteres Beispiel S. 996
“Hal Incandenza hat zwar auch noch keine Ahnung, warum sein Vater im Jahr der Dove-Probepackung in Wahrheit den Kopf in eine speziell manipulierte Mikrowelle gesteckt haben könnte, aber er ist ziemlich sicher, dass der Grund keine US-amerikanische Standart-Anhedonie war. Hal selbst hat seit Winzlingstagen kein intensives Innenlebengefühl mehr gehabt; Begriffe wie Lebensfreude oder Wertschätzung sind für ihn wie Variablen in erlesenen Gleichungen, und er kann sie gut genug handhaben, um jedermann zufriedenzustellen bis auf ihn selbst, der da drin ist, als Mensch in seiner eigenen Hülle – aber in Wirklichkeit ist er weit robotischer als John Wayne. Eines seiner Probleme mit der Moms ist, dass Avril Incandenza ihn als Menschen, und zwar als guten Menschen in- und auswendig zu kennen glaubt, während in ihm, wie Hal weiß, in Wirklichkeit praktisch gar nichts ist. Seine Moms Avril hört ihre eigenen Echos aus ihm heraus, glaubt aber, ihn zu hören, und das gibt Hal das einzige Gefühl, das er seit einiger Zeit bis Oberkante Unterlippe fühlt: Er ist einsam.”

6. Messer im Auge

Hal sagt an einer Stelle: “ich werde infantofil”, vor dem beschlagenen Spiegel mit dem Wort “knife”.
In einer Korrespondenzszene, in der Pemulis Hal die Mathe-Mittelwert-Integralrechnung erklärt, berechnet Pemulis Hals’ Penis. Die Reaktion auf den beschlagenen Spiegel und das Wort sind befremdlich eigentümlich, weil der Spiegel als quadratisches Objekt wahrgenommen wird und nicht dass, was man unmittelbar sieht.
Solch krasse Beispiele häufen sich vermehrt im US und gehen mit einer Melancholie der Ungreifbarkeit einher: die Sachlage ist selbstreferenziell verbaut oder man liegt völlig daneben.
(wenn der Spiegel klar ist oder die Fensterfront vom Wagen, sieht man nur sich selbst im Quadrat)
Pemulis fliegt später von der Schule, Hal nicht. Es ist die alles absorbierenden Abstraktion, die das Empathische ausschließt und vielleicht das Ende eines im Anflug homoerotischen Echos Hal/Pemulis beschreibt. Hal hat im gesamten Buch keine Liebesgeschichte.
Soziopathologisch wird „infantophil“ synonym „pädophil“ dem erwachsenen Täter zugeordnet als Störung der Sexulpräferenz. Infantophil klassifiziert eine sexuelle Ausrichtung auf Kinder unter 3 Jahren. Über einen Missbrauch von oder an Hal gibt es keinerlei Rückschlüsse.

7. Rhetorisches Figurenensemble + der Gebrauch des Schimmels

Als kleines Kind isst Hal versehentlich Schimmel (siehe Prinzip der Induktion, Mathebuch „Geschichte der Unendlichkeit“, Wallace über Cantor S. 10) und erschrickt. Weder in der Lage ihren Sohn zu beruhigen, noch seinen Mund auszuspülen, schreitet die Mutter Gartenrechtecke ab und verabreicht ihm 2 Ohrfeigen.
Diese Szene läuft synchron elliptisch mit der Szene – Hals Verhör vor der Schulbehörde, seinem oral ausgelöstem Entsetzen + Thesen/Ausfällen auf Seite 20. Oder anders gesagt: Hal kotzt den Schimmel seiner Kindheit aus.
Noch einmal das Beispiel s. 26 im anderen Kontext
Hal:
„…auf der nichtöffentlichen Toilette das Wort Messer gelesen, dass mit dem Finger auf den beschlagenen Spiegel geschrieben worden war. Ich bin infantophil geworden.“
Als er sich im Spiegel sieht und das Gesicht nur scharf unter der verschwindenen Schrift erscheint?
Sieht er Gesicht und Messer in einem?
Wort und Waffe?
Ist es eine anal-frühkindlich präkoitale Fetischerfahrung mit Kondensstreifen, Finger, Messer, Himmel, Hauch usw?
Wird Hal vom Schimmel verschlungen? Oder eine Erschaffung mittels Denkfigur oszillierender Aspekte,
z.b. Kippbilder, wie der Hase-Ente-Kopf (siehe Wittgenstein nach Jastrow, Tractatus S. 520) ?
Jedenfalls korrespondiert auch diese Szene irgendwie mit der des Schimmels.

Wikipedia Schimmelpilze/Mikrobiologi http://webcache.googleusercontent.com/search?client=safari&rls=en&oe=UTF 8&hl=en&q=cache:4ApAcSkkBzAJ:http://de.wikipedia.org/wiki/Schimmelpilz+schimmelpilze,+mikrobiologie,+wiki&ct=clnk

Der Gebrauch des Schimmels als Gegenstand und als Zeichen bewirkt einen Deutungszwang, der sich durch Potenzierung verweigert. Wie der Schimmel oder die Drogen oder die Fraktale in der sozialen Einheit Familie wuchern sie im Raum der Modallogik zu einem gefräßigen Lebewesen, das stetig wächst. Schimmel/Mytotoxyne dienen der Herstellung von Penicillin und biologischen Waffen. Man denke an die vehementen Verweise organischer mit anorganischer Chemie und dem Modus:„ Etwas sagen und etwas anderes meinen“.

S. 26 Hal im Krankenwagen;
Hal: „…die einzige Notaufnahme, die ich je von innen gesehen habe, fast vor einem Jahr….
…Man wird mich fragen und dann sedieren“.

http://de.wikipedia.org/wiki/Schimmelpilz

8. Anmerkung zur Patrone:

Die Smileys? erscheinen auf Daddys (James Inc.) Filmpatronen. Die Patronen sind UNBESCHRIFTET (Hommage an Poe). Patronen und Smiley verhalten sich complementär zueinander.

(Einer der fünf Smiley-Polizisten mit Engelsflügeln des Graffito “Every Picture tells a lie”
von Street-Art Künstlers Banksy© Sebastian Kahnert/DPA)

8.a) Anmerkung zum Referenzsystem Freges als Analogie

Bsp.: „Erklärungen“ in Abwesenheit der Erwähnung. (Beispiel: Morgenstern ist Abendstern – hierbei ist die abwesende Erklärung/Erwähnung = der Planet „Venus“, also dass, was man in „Anführungszeichen“ setzt, der Referent der ungesagt bleibt. Venus ist die Gegebenheit und Morgenstern oder Abendstern hierbei die Erscheinungsformen); Technik und Krankheit entspringen demselben Geist wie bspw. Glauben und Angst oder – des Wassers „Erscheinungsformen“ usw. Bei Wallace könnte man bereits von multiplen Referenzen sprechen.

9. Drogen

„Oh wer erzählt uns die ganze Geschichte der Narcotica! – Es ist beinahe die Geschichte der Bildung, der sogenannten höheren Bildung.
Nietzsche, Die fröhliche Wissenschaft § 86

>>Einmal scheint sich Baudelaire zu fragen: Wen bewahrst du im Alkohol auf? Diese Logik verlangte nach einem wiederbelebenden Gedächtnis, nach der äußersten Hellsichtigkeit des Rausches, die auftritt, wenn man etwas in sich trägt, dass in eine Krypta eingeschlossen werden muß. Von daher die ambivalente Struktur Stimulations- Beruhigungsmittel.

Wir wissen nicht, wie wir auf irgendetwas verzichten sollen, hat Freud einmal beobachtet. ..es deutet auf die Unfähigkeit zu trauern hin. Der Süchtige ist ein Nicht-Verzichtender par excellence, doch begründet der Süchtige ..(..).wie auch immer geplagt oder gejagt, eine teilweise Trennung von einer bedrängenden Präsenz.
Wenn einige Körper mit Drogen auf den Ruf der Sucht antworten, ist jeder Körper dran. Eingriff und Manipulation, Wiederaufbau und Abbruch, Selbst-Behandlung und Vitamine werden zur Beschäftigung jeder Singularität. Manchmal hat der Staat seine Hand drin.<<

Aus „Drogenkriege“
Avitall Ronell

http://de.wikipedia.org/wiki/Schimmelpilz#Fortpflanzung

10. Die Magie im Objekt ETA (Ortho Stice)

Was hat es mit dem magischen Element auf sich, der Objektrotation im Objekt ETA, z.b. dem schwebenden Bett von Ortho Stice?
Verbinden sich hier Mystik und Technik ins holografische Medium?

11. Die mythologische Fortschreibung/Fraktale/Mykotoxyne:

James Incandandenza. war zum Zeitpunkt der Begegnung mit Avril –ein offenbar bedeutender Physiker
S. 93 „promovierte in opischer Physik und angewandter geometrischer Optik,…der angewandte thermostrategische Waffensysteme neutronenstreuende Reflektoren entwarf…. er war in der Atomenergiekommision..“

Avril hatte den Lehrstuhl für präskriptiven Sprachgebrauch.

http://de.wikipedia.org/wiki/Präskription

Physik, Mathe und Sprache fungieren konstituiv.
Avril und James sind als physisch sehr groß dargestellt, als Riesen, wie im Märchen.
Die kanadische Königin der Sprache vermählt sich mit dem König der Physik. Der Gründungsmythos korrespondiert mit der politisch geographischen Lage und als Wurzel der Intrige, die sich in weiteren Referenzfiguren und Schauplätzen fortpflanzt. Orins Geburt hat ehestiftende Funktion, Mario könnte der Sohn vom C.T. (Halbbruder von Avril) sein – ein Unfall. Hal ist das Wunschkind. Technischer Fortschritt + entsprechenden Krankheiten, etablieren sich in der Familie im Garten – in der „Hal isst Schimmel“ Szene, die als Sündenfall für Hals orale Ausgrenzung sorgt.
Orins Exklusionsgründe liegen im Dunkeln und als späterer Inzest mit der Mutter deutbar.

11.a) FRAKTALE
Fraktal aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

http://de.wikipedia.org/wiki/Fraktal

12. Der Verrat als Doublebind

im Vergleich – a)Pemulis/Hal und b)Gately/Fax
a) Pemulis rettet seine Freunde/Spieler durch eine Lüge, mit der Pemulis sich (lt. Hal)
Hal-freundschaftsmäßig disqualifiziert. Im Vorfeld dazu wäre das Eschaton-Spiel zu visualisieren dessen „Spielleiter“ Pemulis (?) ist und Pemulis Verhältnis zu Hals Reaktion zu untersuchen.
Ortho Stices Gesicht zeigt sich nur im Moment des eigenen Gesichtsverlustes während Pemuls Gesichtsverlust in der Rettungsaktion sichtbar wird und Konsequenzen nach sich zieht.
b) Fax indes verrät die Innung und Gately versetzt sich von dessen Mehrwert (Geld zu Alkohol) in die Handlungsunfähigkeit.
Während Don Gately im Ennet house – (Szene Schießerei um Lenz) – „high noon“mäßig rettet und mir scheint, Wallace demontiert damit die heroische Tat, (die Besucher, die Anästhesieandrohung, genau jene Mittel, von welchen sich Gately befreit hat), d.h. als Doublebind ballanciert die Szene in der Stasis als ethisch unantastbares Moment. Wäre es denn auch als gebeugt euklidscher Rücken der Demut zu betrachten?

13. Spiegelung physikalischer Gesetze – GLAS und FILM

2. S. 1487, J.Inc. hatte ein Glas erfunden, dass weder beschlägt, noch Fettfingerrückstände hinterlässt.

S. 1425/1426, letzter Abschnitt: Filmschaffen/Patrone
These; dass man den Film nur bei Betrachtung in einem bestimmten Format überlebt.

13. a) Transformationen…

…sind die Aggregatzuständen des Wassers und die Art und Weise wie Orin zu Tode kommt. Orin wird gefoltert und unter einem Glas gefangen gehalten, mit dem er zuvor (Kafkas?) insektuale Kakalaken einfängt, im Käfig verwandelt oder nicht, die Fliege aus dem Fliegenglas entlassen wird.
D.h., Orin wird mit den Mitteln getötet, die er gegen die Insekten angewandt hat.
>>Und Orin sagt…..“Der Storch (Incandenza) fiel einem…….zum Opfer.“
Diese Auslassung könnte ein Attentat, eine Intrige vermuten lassen?
Incandenza hat mehrere Namen und existiert im Buch als Geist und Mensch (+Romanfigur).

14. Koinzidenz und Kippbilder

http://de.wikipedia.org/wiki/Kippfigur

Was sieht Orin in der offensichtlichen Steeplykarrikatur? Welches sind die Gründe, warum Hals Vater ihn nicht hören kann? Anderes Beispiel; jemand behauptet eine bestimmte Person nicht zu sein, durch die Vehemenz der prompten Behauptung, verstärkt sich der unbeabsichtigte Effekt.
Zufall?
BSP. WIE ORIN DURCH EINEN ZuFALL SOWOHL JOELLE BEGEGNET, ALS AUCH EINE NEUE ERFAHRUNG im Sport MACHT verweist auf eine Hoffnung, die im Zufall, der Absichtslosigkeit – als Freiheit und außerhalb der Norm begründet ist.
Frage: Kommt Koinzidenz nur im Nichteuklidschen System vor?

15. Der gekrümmte nichteuklidsche Rücken und das Ding in James Kopf
(Siehe Blog Unendlicher Spaß)

Das Gesicht vom „vertikalen Schatten“ – Ortho Stice, klebt an der gefrorenen Glasscheibe fest, wird teilweise abgetrennt, während Hal sich horizontriert, während der „Schnee“, nach Form und Gegebenheit die Dinge universell verpackt. Der transformierte Schnee ist als ebensolches verwandeltes Wasser auf der beschlagenen Scheibe erschienen.
Ergo: Das Wasser ist der Schlüssel auf einer Metaebene, wie der Schleier auf einer anderen.
Gleichzeitig wird nur in dieser Szene der Zerstörung des Gesichtes – angeblich das wahre Gesicht von Ortho Stice sichtbar.

Ortho Stice ist ein vertikaler Schatten ohne Protagonist und Hal ein Liegender ohne Schatten.
Beide zusammen bilden zwei Geraden, die sich am 0-Punkt axial schneiden.
(Die Bücher von Wallace bewirken ähnlich fiebriges wie eine Wittgensteinlektüre. Infinite Jest macht etwas. aber was genau? Hier ausgeführt wurde, dass es generell und mental beeinflusst Konsequenzen hat, die sich niederschlagen, aber das Unbehagen steigt darüber hinweg, und dennoch verhält es sich, wie mit dem weggelaufenen Hund. „Nur um der Hoffnungslosen willen ist uns die Hoffnung gegeben“. In seinem Mathematikbuch stellt Wallace zu Beginn sinngemäß die Frage – „Ist Selbstvertrauen an sich gerechtfertigt“? Jemand der Mais und Bohnen zur Verfügung hat und Gemüse ablehnt besitzt wahrscheinlich zwei Möglichkeiten. Aber hypothetisch nur mal angenommen, es ((das Buch)) würde einen ernsthaft befähigen ebenso wenig und aus Überzeugung nicht zu funktionieren? So, wie die Suchtpatrone Funktionen außer Kraft setzt….

16. Shakespeare, Werkzeug, Objekt
KEEPER

Da es im Buch auch um Shakespeare geht, (hier sei an die Debatte Urheberschaft – Stratfordianer vs. Oxfordianer erinnert und an Edward de Verve, der als möglicher Shakespeare gehandelt wird und incognito Ritterturniere gewann oder namentlich mit Shake-speare, Shaxpere, Shagspere, Oxenford unterschrieb…) und Namen wie; Axford, Axtstiel und übersetzt andere Werkzeughalter auftauchen, all dies führt zu „Messer und Spiegel“ – ich und mein Werkzeug zurück.
Des Messers Referenzobjekt über Shakespeare (Name= Gegebenheit=intensional identisch??), könnte der Tennisschläger sein (oder so man will: Tatwaffe=Werkzeug des Schriftstellers).
Es (Werkzeug) erscheint und verschwindet, wie des Autors Stimme (Hal) im Beisein des Freundes Pemulis.
Pemulis (Freund, Feind, Lügner/Schauspieler) visualisiert den Moment vor dem Spiegel mit dem Wort „knife“, eingetragen mit dem Finger des mit Kondensionswasser beschlagenen Mirror.
Das heißt: physikalische Eigenschaften sind nur unter bestimmten Umständen gegeben, sind an transformative, zerstörerische, tragische Ereignisse gekettet, die von außen das Subjekt affizieren. Schmerz ist der letzte physische Ort.

16. a) Tools

In einer Monolgszene berichtet Hal über die Mehranstrengung, die Plagiate bei Hausarbeiten erfordern, am Beispiel seiner Freunde Pemulis, Axford (???).
Hal spricht hier als Autor und Urheber. Man sei an Wallace Diskurs zu Klischee, Authentizität, Realismusbegriff und das, was er über die Rolle des Schriftsteller in der heutigen Zeit sagt erinnert, und die Einsicht, welche Konsequenzen das Schreiben (die Praxis der Theorie) für das Individuum auslöst und das mittels spezifischer Techniken des Schreiben das auszudrücken, was sich sonst nicht ausdrücken lässt.

http://plato.stanford.edu/entries/frege/

>>Gottlieb Freges Unterscheidung// Zeichen als ein sprachlicher Ausdruck drückt seinen Sinn aus und bezeichnet seine Bedeutung. …der Sinn eines Satzes ist eine mit Referenz gesättigte Funktion.
Der von Wallace häufig zitierte Sprachphilosoph Stanley Cavell über Derrida; sein (Derrida) Leitgedanke, „..das sich selbst und den Sinn im Sprachgebrauch permanent zu entziehen, als eine Flucht vor dem gewöhnlichen sei“, mit seiner eigenen Konzeption der
Eigenständigkeit der Stimme gerät er jedoch selbst in den Strudel der Metaphysik/Idealismus, u.a.weil die Viellfalt der Stimmen, Bedeutungen im Roman, die Grenzen des Sinns/Unsinns eher auf das Eigenleben der Schrift als auf die
Eigenständigkeit der Stimme verweisen. Natürlich ist das Konzept von Markson gerade für die Literatur ein verlockendes, weil es dank eines an Wittgenstein geschulten Formalismus Metaphysik in Depression und Angst zu transformieren erlaubt, wie Wallace schreibt. Ich glaube daran nicht ganz, obwohl es mir dieser Aufsatz klarmacht, welchen Weg Wallace selbst verfolgt hat, und wie er nun tatsächlich schräg z.b. zu Deleuze liegt. das Konzept einer affektiven Athletik, indem man Unpersönliches schafft. Nicht mit seinen Neurosen und Psychosen zu schreiben, sondern als Arzt seiner Neurosen und Psychosen, das war wohl ein dringendes Problem von Wallace.<<

Achim Szepanski über David Foster Wallace über David Marksons „Wittgensteins Mätresse“

16. b) Prinzip der Induktion

http://de.wikipedia.org/wiki/Induktion

http://de.wikipedia.org/wiki/Enzyminduktion

16. c) Induktion

Wallace über Erfahrungen: dass sie (genuin intrinsische) Ableitungen der Medien sind und Realität nur ein Update dessen. Maske und Sprachkonventionen folglich dieselbe Wertigkeit besitzen:
ob a) ungehört (wie im Falle Hal), b) nur als geglaubt erscheinen (wie Orins Wahrnehmung ggü. Steeply),
und c) Täuschung eine völlig neue Bedeutung erlangt.
Sie ist aufgehoben. Und jene eingestanden ontologische Unsicherheit begegnet Wallace mit Frege.
Ein weiteres Beispiel; womit rettet Hal in der Umkleidekabine den pascallisch gefallenen kleinen Kumpel? Es ist Mathematik.
Im soziologischen Sinne ist eine Erfahrung etwas in das man hinein- und hindurchgeht. Bei Wallace bleiben die Figuren stecken (vgl. Beckett). Sie sind wie Primzahlen.

DAS UNGESAGTE ZEIGT SICH AM ENDE

Die Erfahrung kommt aus der Zukunft
Deleuze

@sylvia john

die medizinischen Zitate entstammen Wikipedia, ebenso die über Philosophie, Drogen, Physik und Sprache, die angegebenen Textpassagen sind aus „Unendlicher Spass“.

This entry was posted on Saturday, January 7th, 2012 at 12:32 pm and is filed under dfw, Literatur. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Responses are currently closed, but you can trackback from your own site.

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