Verliebt ins Gelingen

Achim Szepanski
Verliebt ins Gelingen
ca. 800 Seiten, Paperback
rzm 003, Rhizomatique
ISBN 978-3-98 13227-1-2
Eine Casting-Groteske. Prominenz-Light. Mittelmäßigkeit ist relativ, wenn man bedenkt, dass im Casting in diversen Simulationskammern Wettkämpfe aller Art ausgefochten werden, jeder gegen jeden, um vor einem Millionenpublikum zu dokumentieren, dass die einen eher zum Morden, die anderen eher zum Sterben geschaffen sind. Kann man der Spirale aus Freiwilligkeit und Reglementierung, die sich zwischen Gecasteten und Produzenten/Fernsehsendern/Jury abspielt, jemals wieder entkommen, wenn sich die Protagonisten erstmal in sie hineingedreht haben? Verliebt ins Gelingen – mit diesem Slogan bahnt sich der Chefjuror der Agentur Superstyle, Conny Island, ein ehemaliger Student der Medienwissenschaften mit außergewöhnlichen intellektuellen Fähigkeiten, in der Casting-Show The Belover seinen Kurs auf das Börsenparkett der Prominenz, während der kaum charismatische Kandidat Walter Baumann sich schon zu Beginn der neuen Staffel als kommender Superstar abzeichnet, aber im Verlauf der Veranstaltung in höchst komplexe Verstrickungen mit einer Gruppe von subversiven Car-Crashern gerät, vor allem aber mit der extrem eigensinnigen, ja, beinahe verhexten Kandidatin Nicolin, die sich in der Casting-Show TopGirl des Konkurrenzsenders einen erbitterten Fight mit dem Promikind Anny sowie dem gesamten Coaching-Team der Produktionsfirma Kalt & Kalt liefert, zuletzt mit dem Fernseh- und Internetpublikum und mit der ganzen Welt. Dabei provoziert sie spektakuläre Auftritte und Aktionen, so bahnbrechend, dass sich zerstreute und metastatisierend wachsende Massenbewegungen herausbilden, deren Popularität Nicolin unablässig zu beschleunigen gezwungen ist. Nicolins Spiel gewinnt eine gefährliche Eigendynamik, seltsame und imagesüchtige Managerinnen stehen ihr zur Seite oder auch nicht, Projekte, Risiken und Imaginationen werden erprobt, Business-Languages gesprochen und das immer auf den puren Erfolg ausgerichtet. Wer ihn erkämpft, ist dafür niemandem zu Dank verpflichtet, wer verliert, findet keine Adresse, bei der er sich beschweren kann. Ob das Spiel aufgeht?

This entry was posted on Friday, September 6th, 2013 at 1:31 pm and is filed under Literatur. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Responses are currently closed, but you can trackback from your own site.

Comments are closed.

 
Follow

Get every new post on this blog delivered to your Inbox.

Join other followers: