Review Saal 6

Achim Szepanski : Saal 6 & Pole Position

Interview und Vorabdruck in De-Bug 1/2011
www.de-bug.de
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Review in Jungle World 3/2011 von Cord Riechelmann

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Interview mit Reinhard Jellen in Telepolis 23.4.2011

http://www.heise.de/tp/artikel/34/34584/1.html

Review in 1Live von Jan Drees:

Fremdwort-Tsunami

Cover: Bild vergrößern

Mit den Labels “Force”, “Ritornell” und “Mille Plateaux” (nach dem Kapitalismus & Schizophrenie-Gewaltbuch “1000 Plateaus” von Deleuze/Guattari aus dem Jahr 1980) hat der gebürtige Karlsruher Achim Szepanski in den 90ern Noise-Technogeschichte geschrieben. Frickelking Asmus Tietchens, Acid-Pionier Robert Babicz, Digital Hardcore-Held Alec Empire gab er eine Heimat. Nach Suhrkamp-, De:Bug-, Wissenschaftstexten holt er zur Megabuchtriolgie aus und veröffentlicht auf eigene Faust drei fette Romane, die leicht wahnsinnig daherkommen. “Saal 6″ erzählt auf 750 Seiten eine systemkritische Geschichte über die gedopte Bankerszene im Jahr 2013.

Top-Banker und Teilzeitsadist Dr. Dr. Hanselmann will das Weltgeld einführen, während ein geschasster Philosoph und ein alternder Starkoch am See sitzen und abgehobenen Big-Talk pflegen. In dieser Welt zwischen Hegel und Hedge-Fonds geht es unter anderem um: Jelly Beans, Rastertunnel-Mikroskopie, Konstruktivismus, Fußfesseln, Nietzsche, selbstgebastelte Flugdrohnen, thailändische Steroide und um Typen, die Boxer-Dieter oder Freaky Franky heissen. Kurz: Die Textparty glüht. “Saal 6″ ist vergleichbar mit “Inland Empire” von Regisseur David Lynch – man muss die Story schlafwandlerisch passieren lassen, wie eine Performance, nicht an Handlungsstränge und Creative Writing-Kniffe glauben, dann wird’s eine gute Zeit. Abgedreht.

Deutschland im Herbst zwanzigzehn –

Achim Szepanski debütiert als Romanautor gleich mit zwei Wortbomben

Achim Szepanski, ehemaliger Chef der wegweisenden Technolabels Force Inc. und Mille Plateaux und passionierter Theorie-Desperado, ist nun unter die Romanciers gegangen und hat – wie sollte es auch anders sein – einen unfassbaren Wahnwitz in Form einer Romantrilogie geschaffen. Mit den ersten beiden Romanen Pole Position und Saal 6 ist ihm ein Totalangriff auf das Geschmacksbürgertum und die alles infiltrierende Logik der Finanzindustrie gelungen, ein Mix aus Pulp, Gonzo, Börsenjargon, Gilles Deleuze und David Foster Wallace. Die Lektüre der Texte gerinnt zu einer körperlichen wie psychischen Zumutung und Herausforderung.

Ort der Handlung(en) ist das Frankfurter Bankenmilieu der nahen Zukunft, die Protagonisten sind u.a. Broker, Prostituierte und ein ehemaliger Philosophie-Professor, die Handlungsstränge mäandern zwischen Hardcore-Hedging in den Handelsräumen der „Esperanto Bank“, Sex-Parties in der Praxis eines undurchsichtigen Schönheitschirurgen und einer spontanen Durchfall-Orgie in einer Sozialstation im Herzen Frankfurts. Und das alles ist durchsetzt von seitenlangen Analysen des „Echtzeitregimes der Finanzmärkte“ und der Natur des „Chaosmos“ der libidinalen Geldströme, virtuellen Wunschmaschinen und drogeninduzierten Psychosen. Beim Lesen riecht man förmlich eine Bankerleiche. Wer sich da hinein wagt, kommt anders wieder raus.
Die ersten beiden voluminösen Teile seiner Romantrilogie – Pole Position und Saal 6 – erscheinen im Herbst im Rhizomatique-Verlag. Im Frühjahr 2011 kommt der dritte Teil in den Handel: Verliebt ins Gelingen.

Copyright © 2010, Bastian Tebarth

 

 

Achim Szepanski
Saal 6
756 Seiten, Paperback
rzm 001/ Rhizomatique

24.-Euro

ISBN978-3-98 13227-2-9

Im virtuellen Gefüge des Erzählens sind seit dem Roman Pole Position fünf Jahre vergangen. Wir schreiben das Jahr 2013. Durch die Stadt mitsamt ihren Segmenten, Linien und Dynamiken geistert das Phantom eines Ortes, Saal 6, ein Gewebe, das Spekulation auf Spekulation folgen lässt, dessen Effekte immer wieder den Fortsturz der Realtime-Zirkulation des elektronischen Computerhandels auf den Finanzmärkten bedeuten, und deren Pathologien der TopBanker Dr. Dr. Hanselmann mit Hilfe der global operierenden Esperanto Bank zu kurieren glaubt, wenn ihm nur die Einführung des Weltgeldes endlich gelingen würde. Die Dynamiken der entfesselten Finanzökonomie auf Basis des E-Empire der Telekommunikations-, Computer– und Elektroindustrie bedürfen der Kalkulation einer offenen und ungewissen Zukunft. Die Märkte, Futures, Derivate & Optionen handeln mit gegenwärtigen Erwartungen über zukünftige Gewinne, bewerten eine kontingente Zukunft danach, wie der Markt selbst sie gegenwärtig bewertet. Doch alles kommt anders, es löst sich auf und erneuert sich mit eher opaken und bösen Überraschungen, für die anscheinend Saal 6 steht. Im Background der Stadt vollzieht sich zeitgleich ein fulminanter Angriff auf die Gestrauchelten und die Ausgeschlossenen, die den Frankfurter Stadtwald untertunneln und dort, umgeben von großen Müllhalden, ihre letzten Widerstandsnester pflegen.
Das ungleiche Paar Alfons und Alonso sitzt am Ententeich – ein ehemaliger Philosoph und ein alternder Starkoch – und beobachtet in zeitenthobenen Dialogen die seltsamen Mikroberührungen und Vermischungen von reichen Freizeitobdachlosen und obskuren Politikaktivisten, schließlich bis in die Bars und VIP-Clubs der Stadt hinein. Freaky Franky, der Maniker, und Snaffu, der Eidetiker, pflügen mit ihren Ausflügen die von Kunst- und Kreditblasen gleichermaßen gedopten Bankenszenerien, den Stadtwald und das Bahnhofsviertel, berühren sogar die seltsame Brokerwelt des Dr. Dr. Hanselmann. Einzig der Sommer bleibt im Jahr 2013 eine Seitwärtsbewegung.
Ansonsten wird in den Handelsräumen der Esperanto Bank gehedgt, was das Zeug hält, werden Pornohefte kollektiv gelesen und vergleichsweise unsexuelle Interaktionen gepflegt. Dr. Dr. Hanselmann – in der semio-emotionalen Zange zwischen der Brokerin Sam Kimberlay und einem Pool von Callgirls – erlebt die tagtäglichen Spannungen im Bankenhaus im elektrifizierten Sinne einer kontinuierlich und zugleich diskret operierenden Signal-Finanzbewegung als sein eigenes Fiasko. Unterstützt von seinem Landsmann Dr. Rütli, dem in Basel ansässigen geistreichen Erfinder für neueste Designerdrogen, ahnt er, dass etwas abwesend Drittes, möglicherweise eine chemische Substanz, möglicherweise eine Differentation in der Differenzierung von Identität und Differenz, durch die Topologie der Stadt schwingt, das die nach allem und jedem Süchtigen noch süchtiger und die Komischen noch komischer machen könnte, oder so komisch wie sie eben sind. Doch gibt es das geheimnisvolle Dritte überhaupt? Und ist es nicht so, dass Saal 6 ebenso wenig eine Adresse hat wie die Gesellschaft?

deleuze und die neuen becketts
www.youtube.com/watch?v=sqXdAYtsNSw

This entry was posted on Saturday, September 7th, 2013 at 6:29 pm and is filed under Literatur. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Responses are currently closed, but you can trackback from your own site.

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