Kapitalisierung – Marx` Non-Ökonomie

Achim Szepanskis Projekt einer nicht-marxologischen und nicht-marxistischen Auseinandersetzung mit Marxens Kritik der Politischen Ökonomie als Non-Ökonomie mutet den deutschen Leser_innen zu, über den überdeutlich allzu eng gewordenen deutsch-sprachigen Diskursrand hinaus zu schauen und zu denken und sich den Gegenstandswucherungen globalisierter Sozio-Ökonomiken aus den fremd-nachbarlichen französisch-italienischen und anglo-amerikanischen Diskursperspektiven auszusetzen – wahrlich ein furchterregendes, Schock-Erlebnisse versprechendes Unterfangen, das selbst den mit allen textuellen Wassern gewaschenen Verlagslektor_innen die Beile aus ihren Diskurs-Liktoren-Bündeln fliegen zu lassen droht, wird hier doch mit dem unschlagbaren Verweis auf den Druck des zumindest bedingten ökonomischen Erfolgs einer Publikation der dialektische Seiltanz von gleichzeitig not-wendiger Anschlußfähigkeit an den und in-nova-tiver Distinktion zu dem mainstream der interessierten/interessierenden Käufer-Öffentlichkeit betrieben. Theoretische Über-Setzungs-Versuche wie die von Achim Szepanski setzen sich allerdings nicht nur aus Gründen der institutionalisierten Strukturen des akademischen Feldes der Ortlosigkeit des gleichzeitigen „sub“ und „trans“ gegenüber den bestenfalls inter-disziplinären Departementalisierungen des universitären Betriebes aus, die politisch-theoretischen Annäherungen an die „gespenstige Gegenständlichkeit“ kapitalistischer Verhältnisse mussten immer schon auch gegen die „(neo-)orthodoxen“ wie „revisionistischen“ Verengungen/Verdrängungen tradierter Marx-Lektüren marxistischer Ökonomen und Philosophen ankämpfen, selbst derer, die sich der Marxschen Intention der Kritik auf die Spur setzten. Achim Szepanski tanzt hier mutig zwischen viele der möglichen deutsch-provinziellen Diskurs-Fallen und vermittelt seinen Leser_innen so Denk-Auswege gegen die Übermacht der gerade in aktuellen Vielfachkrisenzeiten wieder herumgeisternden potemkinschen Modernisierungsversuche kapitalistischer „Real-ökonomie“, der auch anti-semitische Stereotypen nicht scheuenden Kritik an den „spekulativen Exzessen“ der Charaktermasken des „fiktiven Kapitals“. Achim Szepanski mutet seinen Leser_innen zu, nicht einfach nur konsumierendes Publikum theoretischer Artistik zu sein, sondern sich den Ereignissen gesellschaftlicher Formierungsversuche in der Form eigen-sinniger textueller Aneignung theoretisch zu stellen – eine Ermöglichung, die selten geworden ist.

Michael Hintz

Buchhändler, Übersetzer + freier Lektor, Lehrbeauftragter an der Europäischen Akademie der Arbeit an der Goethe-Universität + an der Fachhochschule Frankfurt

Achim Szepanski; Kapitalisierung – Marx` Non-Ökonomie

ca 700 Seiten

Einleitung: Marx und Non-Ökonomie
I) Kapital
1a) Die Non-Methode: Das Konzept der Non-Philosophie
1b) Problem, Struktur/Prozess und Virtualisierungs-Aktualisierungs-Verschaltungen
2) Wertform
a) Einfache Wertform
b) Allgemeine Wertform
c) Äquivalenz und Abstraktion
d) Geld
e) Wert
f) Wert und Preis
g) Abstrakte Arbeit
h) Arbeitskraft
3) Mehrwert
4) Der Kapitalbegriff
a) Kapitalakkumulation und relative Mehrwertproduktion
b) Das Problem des differentiellen und maschinellen Mehrwerts
c) Maschineller Mehrwert und differentielle Akkumulation
d) Produktivität und lebendige Arbeit
e) Durchschnittsbildungen und das Gesetz vom tendenziellen Fall der allgemeinen Profitrate
f) Die zwei Zeitmodalitäten des Kapitals

5) Der Kapitalbegriff bei Deleuze/Guattari oder die Anarchie der Maschinen

II) Kapital und Kredit
1) Das Kreditverhältnis
2) Die Verdopplung der Eigentumstitel bzw. des fiktiven Kapitals
3) Fiktives Kapital
4) Banken: Risikomanagement, Kredit und Geldschöpfung
5) Zweistufiges Bankensystem: Zum Verhältnis zwischen Geschäftsbanken und Notenbanken

III) Derivate und Kapitalisierung
1) Die Zeitproblematik bzw. zwei Zukünfte der Derivate
2) Wahrscheinlichkeitstheoretische Erwägungen
3) Futures und Optionen. Der Handel mit Risiken
4) Risikomodelle
5) Elie Ayaches Konzeption der Derivatmärkte als reine Kontingenz
6) Derivate und Kapitalisierung
7) Derivatgeld als doppelte Dopplung des spekulativen Geldkapitals
8) Deleuze und das synthetische Wertpapier

IV) Verschuldung

V) Die Hard- und Software des kognitiven Kapitalismus/kybernetischer Kapitalismus

VI) Theorie und Empirie
1) Das Verhältnis von Akkumulationsrate und Profitrate im Übergang von Fordismus zum Postfordismus
2) Finanzialisierung seit den 1970er Jahren; das Verhältnis von Real- und Finanzökonomie
3) Shareholder Value
4) Das umfassende System der Finanzialisierung, Globalisierung, Staatsschuldenproblematik, Staat und Ökonomie

Keywords: Marx, Kapitalismus, Geld, Mehrwert, Preis, Aktualisierung/Virtualisierung, Problem, Struktur, Deleuze/Guattari, Laruelle, Kredit, Verschuldung, synthetisches Wertpapier, Banken, Kapitalisierung, Zeit, Profitrate, abstrakte Arbeit, Wert, Maschine, Flow/code/stock, Kontingenz, Das Reale, Differenz, Determination-in-der-letzten-Instanz

Material, u.a.: Marx, Deleuze/Guattari, Francois Laruelle, Elie Ayache, Dieter Wolf, Peter Ruben, Lohoff/Trenkle, Moishe Postone, Louis Althusser, Hans-Jürgen Lenger, Derrida, Hans-Dieter Bahr, Elena Esposito, Dirk Baecker, Manuel De Landa, Anwar Shaikh, Georgios Stamatis, Oliver Schlaudt, Michael Heinrich, Michel Foucault, Christian Marazzi, Eske Bockelmann, Harald Strauß, Kojin Karatani, Bichler/Nitzan, Maurizio Lazzarato, Robert Kurz etc.

erscheint Frühjahr 2014 im Laika Verlag

This entry was posted on Sunday, September 8th, 2013 at 4:24 pm and is filed under Deleuze, Kapitalismus, Laruelle, Marx, Ökonomie, Philosophie. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Responses are currently closed, but you can trackback from your own site.

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