dfw. Der bleiche König

David Foster Wallace. Der bleiche König. Er war auf dem richtigen Weg und musste notwendigerweise scheitern. Das postpolitische Subjekt ist nicht durch die Angst geprägt, wie Heidegger das noch annahm, sondern durch die Langeweile. Und dies durch die zutiefst abgesicherten Wiederholungsstrukturen, die nackten im Kapitalismus. Auch wenn der Neoliberalismus ein Remake der (Existenz)angst anzetteln will. Darin besteht im übrigen seine abgrundtiefe Dummheit. Heidegger hat zwei Schichten der Langeweile entdeckt: Das Gelangweiltwerden von etwas und das sich Langweilen bei etwas. Wallace wagt sich nun an die dritte Schicht heran und muss dabei scheitern. Diese Schicht setzt die gelangweilten Subjekte der Leere aus. Und Wallace ganz im Sinne des Zen war hier auf dem richtigen Weg: Die Leere, das ist im Zen das Dazwischen, die Matrix der Beziehungen, in die die gelangweilten Subjekte immer schon eingewoben sind. Es ist das Inter in der Mediokrität. In die Leere dieses Daseins eingetaucht, trachten die Subjekte nach Zeitvertreib und Einkaufszentrum. Womit wir in gewisser Weise wieder beim Unendlichen Spaß wären. Aber der ist wie die Kleider Saison bei Aldi: Es gibt keine mehr. Selbst den Spaß hat uns der Kapitalismus noch genommen. Auch das wusste Wallace irgendwie. Seine Kritik des-zu-Tode-Amüsierens lag nämlich falsch. Der Kapitalismus bietet das Amusement nämlich nur an, um ihm im nächsten Moment eins richtig in die Fresse zu hauen. Nach wie vor bleibt eine seiner Grundformeln, die nicht umsonst angemalt über den Toren von Auschwitz hing: Arbeit macht frei.

This entry was posted on Saturday, November 9th, 2013 at 11:10 am and is filed under dfw, Literatur, Philosophie. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Responses are currently closed, but you can trackback from your own site.

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