Aktualität

Deleuze ahnte es nicht, er wusste es. Schon zu seiner Zeit hatte das Marketing das zu vermarktende Buch ersetzt. Die All-Anwesenheit des Marketing ist der Sieg des Journalismus. Theorien jedweder Art existieren nur noch als und im Journalismus. In den sozialen Netzwerken sind alle Journalisten, wenn auch meistens nur Journalisten in eigener Sache. Dabei spielt der Journalismus mit zwei Seiten einer Medaille. Die eine Seite der Journalisten ist die, das Ereignis selbst zu schaffen. Die andere Seite die, vom nekropolitischen Ereignis zu leben. “Die noveaux philosophes lebt von Kadavern”, schrieb Deleuze. Und er meinte nicht nur die neuen Philosophen, er meinte schlichtweg alle, die heute schreiben. Das ist Ausdruck einer Krise, die gar nicht mehr aufhören will Krise zu sein. Alle spüren es, das Kapital richtet sich in der Krise häuslich ein. Nur die Linke merkt es nicht. Längst weiß man, dass z.B. das Fernsehen als universelle Castingindustrie im Gegensatz zur bloßen Liveberichterstattung, bei der Sendung und Ereignis ineins fallen, keine Realität mehr abbildet, sondern diese ständig inszeniert. Das „so könnte es sich abgespielt haben“ ist längst dem „so sollte es sich abgespielt haben” gewichen. Marketing und Propaganda gehen eine neue Zwangsehe ein. Und das unter dem Imperativ einer Aktualität, die gestern ein andere als heute war und morgen eine andere sein wird als heute – nämlich immer dieselbe.

This entry was posted on Thursday, July 24th, 2014 at 8:03 am and is filed under Politik. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Responses are currently closed, but you can trackback from your own site.

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