Die non-euklidische Dimension des synthetischen Wertpapiers

Ist es nicht so, dass der spekulative Kapitalismus seine spekulative Vernunft – den virtualisierten-kontingenten Status seiner Prozess-Struktur als abstrakte Maschine – erst dann offenbart, wenn das spekulative Urteil jederzeit selbst zur Geldquelle werden kann? Das spekulative Kapital ist wirklich ein seltsamer Klon, um sich als »Kopie« auf die Referenz seiner selbst zu stützen. (Es ist nicht der Laruellsche Klon, bei dem der zweite Term immanent wie der erste Term ist, die Menge jedoch Eins-in-Eins ist. Hier steht die Identität vor der Differenz.)

Und es gilt zu bedenken, dass selbst, wenn man die CDS-Versicherungen als bloße Kopie eines generischen Assets bezeichnen würde, es sich bei jenen eben nicht um dieselbe Kopie handelt, sondern um ein radikal exzessives und variables Wiederholungsgeschehen des »Kopierens«, das dauerhaft Differenz in sich selbst erzeugt, sodass auch die ökonomischen Eigenschaften des synthetischen Assets wie cashflow, Fälligkeit, Volatilität, Preis und Wert von denen seines sog. generischen Referenten permanent differieren. Wenn das Simulakrum die »wahre« Form des Seins ist, dann besteht die hyper-fungible Kraft der synthetischen Assets genau darin, eine im Sinne von Deleuze bekleidete Wiederholung in Gang zu setzen, die zu keiner Identität führt noch eine solche voraussetzt, stattdessen im Zuge der Wiederholung der Variation die Bedingungen ihrer eigenen Wiederholung interiorisiert, um eine höchst fragile Identität zu erlangen, i. e. bekleidete Wiederholung ist die Interiorität des Werts als Differenz in sich selbst. Und gerade deswegen können die Eigenschaften der synthetischen Assets keine rein intrinsischen Eigenschaften sein, sondern es handelt sich um die Eigenschaften der Tauschprozesse selbst, die die Transformation der Assets in Trugbilder des Werts einleiten, was in Simulations-Räumen geschieht, die man gemeinhin Markt nennt. Faktoren wie Geldlichkeit, Teilbarkeit, Laufzeit, Risiko und cashflow lassen sich beim synthetischen Asset als Eigenschaften isolieren.
Jedoch stellt nicht die extensive Aktualität des Assets seine entscheidende Komponente dar, vielmehr ist es das fungible Virtualisierungspotenzial des Assets selbst, das uns hier veranlasst, von einer fast grenzenlosen, einer Ad-infinitum- Kreation zu sprechen, die bspw. Risiko und Geldstrom in ein potenziell synchrones Verhältnis setzt, ohne dass allerdings die Momente der Desynchronisation je ausgeschaltet werden können. Der Simulationsraum, in dem man heute die synthetischen Wertpapiere wie CDS oder CDO handelt, ist weder als fixiert noch als flach, weder als uniform noch als homogen zu verstehen, sondern er hat als nicht-euklidisch bzw. als topologisch zu gelten und wird von keinerlei Referenzklassen begrenzt. Während die Architektur des stratifizierten Raumes diskrete Einheiten im Zentrum ihres Designs mobilisiert, das Punkte durch Linien vermobilisieren die topologischen Kurven des glatten Raumes, die durch algorithmische oder parametrische Architekturen erzeugt werden, die generative Macht des Punktes, seine Verkettung und Faltung hin zur Emergenz einer neuen Form. Dieser Simulationsraum lässt sich ökonomisch definieren, er ist fähig zur Beugung, Drehung, Krümmung und Faltung der ökonomischen Ereignisse, er istextrem formbar und geschmeidig. Allerdings greifen gerade in diesem Kontext die neoliberalen Kontrolltechniken an und ein, i. e. es ist und bleibt die Realität des synthetischen Tauschs Teil des spekulativen Kapitals, dessen Materialität durch einen cashflow definiert wird, wenn er sich im Prozess des Tauschs denn auch aktualisiert. (Kapitalisierung BD.2 )

 

This entry was posted on Saturday, September 27th, 2014 at 10:43 am and is filed under Finance, Geld, Kapital, Ökonomie. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Responses are currently closed, but you can trackback from your own site.

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