Peter Alexa: Ulrike Meinhof und die Blautannen

Schon die Erwähnung des Namens von Ulrike Meinhof löst in der Öffentlichkeit eine Art pawlowschen Reflex aus. Da kommt eine irrationale Wut hoch und ein fast schon pathologischer Hass zum Vorschein, als hätte Ulrike Meinhof die selbstgepflanzten Blautannen in den Reihenhausgärten ihrer Kritiker persönlich gefällt und damit ihre bürgerliche Idylle demontiert.
Zu befürchten steht, dass Jutta Ditfurths fleißige Recherche und die Dokumente, die sie dabei zutage förderte, genauso ignoriert werden wie alle Tatsachen, die nicht einer konditionierten Öffentlichkeit und veröffentlichten Meinung gerecht werden.
Während diese “Kritiker” bei Ulrike Meinhof und Gudrun Ensslin aufgrund ihrer sozialen Herkunft noch so etwas wie einen gemeinsamen Stallgeruch zu wittern meinen und sich wahrscheinlich wirklich nichts anderes vorstellen können, als dass diese Art von Klassenverrat nur durch Hörigkeit, Verführung und fehlgeleiteten Idealismus zustande kommen kann, ist Andreas Baader für sie die Inkarnation des Mobs, der direkt aus der Hölle gekrochen kam.
Malcolm X hat mal den Unterschied zwischen einem Haussklaven und einem Feldsklaven beschrieben. ” Wenn das Herrenhaus brennt, hilft der Haussklave eifrig mit beim Löschen, während der Feldsklave darum betet, dass Wind aufkommt und den Brand weiter entfacht.” Sicher noch kein Widerstand, aber bestimmt die richtige Art zu denken.
Was das mit Andreas Baader zu tun hat? Er hat die Bude angesteckt und bei jeder sich bietenden Gelegenheit noch einen Eimer Benzin hinterhergeschüttet und, vielleicht am unverzeihlichsten, er hat sich am Feuerschein erfreut und gesagt, dass man das Wesen des Menschen, was ihn wirklich ausmacht, nur in diesem Feuerschein erkennen kann.
Wenn Menschen 30 Jahre nach ihrem Tod immer noch mit einem dermaßen pathologischen Hass verfolgt werden und als Projektionsfläche für alles dienen, was diesem Staat, seinen Eliten und Repräsentanten Angst macht, müssen sie wirklich eine Saite zum Klingen gebracht haben, die den Herrschenden noch als Tinnitus im Ohr summt und sie daran erinnert, nicht unverwundbar zu sein. Genau diese Angst ist auch die Essenz einer verlogenen Moraldebatte, bei der sich diejenigen am meisten hervortun, die sich bei der Beurteilung jedes aktuellen und geschichtlichen Verbrechens gegen Menschen auffällig bedeckt halten. Was die herrschende Empörung auslöst, sind nicht die Toten. Die über 130 von Neonazis begangenen Morde nach der sogenannten Wiedervereinigung haben nicht mal für Schlafstörungen gesorgt, sondern die Tatsache, dass die herrschenden Eliten dieses Landes das erste Mal in der Geschichte des letzten Jahrhunderts in die Mündung der Waffen schauen mussten, die sie bis dahin anderen ins Genick gehalten haben.
Da sind sie wie Elefanten und vergessen nichts.

This entry was posted on Tuesday, May 26th, 2015 at 11:39 am and is filed under Marx, Politik. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. Responses are currently closed, but you can trackback from your own site.

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