Publication

1995 Hrsg. CD/Text Compilation In Memoriam Gilles Deleuze, Mille Plateaux.
2003 Hrsg. zusammen mit Markus S. Kleiner Soundcultures, Edition Suhrkamp.
2011 Achim Szepanski Saal 6 -Roman, Rhizomatique.
2011 Achim Szepanski Pole Position -Roman, Rhizomatique.
2014 Achim Szepanski Verliebt ins Gelingen-Roman
2014 Achim Szepanski -non-music-non-stop-. In: Christopher Cox, Jennifer Jaskey and Suhail Malik (eds.): Realism Materialism Art
2014 Achim Szepanski  Kapitalisierung Bd.1 – Marx` Non-Ökonomie. ca 450 Seiten, Laika Verlag.
2014 Achim Szepanski  Kapitalisierung Bd.2 – Non-Ökonomie des gegenwärtigen Kapitalismus. ca 400 Seiten, Laika Verlag.

Achim Szepanski: Kapitalisierung Bd. 1
Marx’ Non-Ökonomie
ca. 450 Seiten

Was würde es bedeuten, wenn Marxens Problematik im Kapital, entgegen der üblichen Interpretationsversuche, mit der asketischen Existenzaussage »Es gibt Kapital« beginnt? Könnte dann die Reproduktion des Kapitals noch die eines »automatischen Subjekts« meinen? Oder bezeichnete sie eben nur dieselbe Reproduktion, d. h., die Wiederholung der impliziten Formen kapitalistischer Produktion, dies allerdings nicht allein im Sinne einer nackten Wiederholung, welche die Invarianz hervorhebt, sondern auch in jenem einer komplexen Wiederholung, mit deren Begriff das Kapital als differenzielle Gesamtheit zu konstruieren ist. In diesem Kontext wird zu diskutieren sein, ob sich der Term ökonomische Basis als »Determination-in-der-letzten-Instanz« mit dem Begriff der Quasi-Transzendentalität des Kapitals und schließlich der Kontingenz des gegenwärtigen spekulativen Kapitals verträgt.

En passant führt Szepanski im ersten Band der Schrift »Kapitalisierung« in einige der wesentlichen Begriffe der »Non-Philosophie« von Deleuze/Guattari und François Laruelle ein. Im Zuge der Konstruktion eines Non-Marxismus versucht Szepanski im Durchgang durch die Marx’schen Texte eine Beschreibung des Phänomens der Kapitalisierung vorzunehmen. Dies bedeutet, spezifische Marx’sche Problematiken, die mit Begriffen wie Wert, Geld, Mehrwert, Kapital etc. konnotiert sind, als begriffliches Material zu verdichten, um sie im Kontext diverser marxistischer Theorieansätze auf ihre immanenten und transzendenten Momente hin zu untersuchen. Herangezogen werden u. a. die um das ökonomische Mathem und die Aktualisierung des Differenzianten Wert kreisende semio-ökonomische Analyse von Harald Strauß, die von Derrida inspirierte Lesart eines Marx der unabschließbaren Texte bei Hans-Joachim Lenger oder die fragmentarischen Passagen eines Hans-Dieter Bahr zum maschinellen Mehrwert.

Achim Szepanski: Kapitalisierung Bd. 2
Non-Ökonomie des gegenwärtigen Kapitalismus
ca. 400 Seiten
Achim Szepanskis Projekt einer nicht-marxologischen Auseinandersetzung mit Marxens Kritik der Politischen Ökonomie unternimmt im zweiten Band der Schrift »Kapitalisierung« den Versuch, die rasenden Gegenstandswucherungen globalisierter Sozio-Ökonomiken radikal als Phänomene monetärer Kapitalisierung zu lesen. Gegen die Hegemonie der in aktuellen Vielfachkrisenzeiten wieder herumgeisternden Modernisierungsversuche kapitalistischer »Real-Ökonomie« wird eingewandt, dass die synthetische Finance selbst noch in ihren exotischsten Instrumenten eine ausschlaggebende Rolle für die neoliberale Governance spielt. Es zeigt sich, dass Marxens Kategorien nach wie vor essentiell für das Verständnis der finanziellen Maschinen sind, aber die Analyse der Realität des aktuellen Kapitalismus auch neue Konzepte benötigt, die über die Marx`schen Texte hinausreichen.

Detaillierte Analysen, wie sie von Elie Ayache, Bichler/Nitzan, Christian Marazzi und Elena Esposito vorgetragen werden, nutzt Szepanski als Material, um seine Interpretation der Finanzmärkte und die sie determinierende Rolle der Finanzderivate voranzutreiben. Ganz im Gegensatz zu keynesianischen Positionen, die im Gleichklang mit dem Arbeitswertmarxismus oder der Occupy-Bewegung vom gegenwärtigen Finanzregime als einem Ausdruck der räuberischen Gier von unproduktiven Finanzrentiers sprechen, erweist sich das neoliberale Modell der Finanzialisierung als eine außerordentlich effektive Strategie zur Aufrechterhaltung der kapitalistischen Hegemonie. Entscheidend bleibt jedoch, dass der kapitalistischen Kalkulation einer vermeintlich ausdeterminierten Zukunft sich nach wie vor etwas entzieht, das mit Kommunismus als furchtbar praktischer Bewegung immer noch am besten umschrieben ist.

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Achim Szepanskis Projekt einer nicht-marxologischen und nicht-marxistischen Auseinandersetzung mit Marxens Kritik der Politischen Ökonomie als Non-Ökonomie mutet den deutschen Leser_innen zu, über den überdeutlich allzu eng gewordenen deutsch-sprachigen Diskursrand hinaus zu schauen und zu denken und sich den Gegenstandswucherungen globalisierter Sozio-Ökonomiken aus den fremd-nachbarlichen französisch-italienischen und anglo-amerikanischen Diskursperspektiven auszusetzen – wahrlich ein furchterregendes, Schock-Erlebnisse versprechendes Unterfangen, das selbst den mit allen textuellen Wassern gewaschenen Verlagslektor_innen die Beile aus ihren Diskurs-Liktoren-Bündeln fliegen zu lassen droht, wird hier doch mit dem unschlagbaren Verweis auf den Druck des zumindest bedingten ökonomischen Erfolgs einer Publikation der dialektische Seiltanz von gleichzeitig not-wendiger Anschlußfähigkeit an den und in-nova-tiver Distinktion zu dem mainstream der interessierten/interessierenden Käufer-Öffentlichkeit betrieben. Theoretische Über-Setzungs-Versuche wie die von Achim Szepanski setzen sich allerdings nicht nur aus Gründen der institutionalisierten Strukturen des akademischen Feldes der Ortlosigkeit des gleichzeitigen „sub“ und „trans“ gegenüber den bestenfalls inter-disziplinären Departementalisierungen des universitären Betriebes aus, die politisch-theoretischen Annäherungen an die „gespenstige Gegenständlichkeit“ kapitalistischer Verhältnisse mussten immer schon auch gegen die „(neo-)orthodoxen“ wie „revisionistischen“ Verengungen/Verdrängungen tradierter Marx-Lektüren marxistischer Ökonomen und Philosophen ankämpfen, selbst derer, die sich der Marxschen Intention der Kritik auf die Spur setzten. Achim Szepanski tanzt hier mutig zwischen viele der möglichen deutsch-provinziellen Diskurs-Fallen und vermittelt seinen Leser_innen so Denk-Auswege gegen die Übermacht der gerade in aktuellen Vielfachkrisenzeiten wieder herumgeisternden potemkinschen Modernisierungsversuche kapitalistischer „Real-ökonomie“, der auch anti-semitische Stereotypen nicht scheuenden Kritik an den „spekulativen Exzessen“ der Charaktermasken des „fiktiven Kapitals“. Achim Szepanski mutet seinen Leser_innen zu, nicht einfach nur konsumierendes Publikum theoretischer Artistik zu sein, sondern sich den Ereignissen gesellschaftlicher Formierungsversuche in der Form eigen-sinniger textueller Aneignung theoretisch zu stellen – eine Ermöglichung, die selten geworden ist.

Michael Hintz

Buchhändler, Übersetzer + freier Lektor, Lehrbeauftragter an der Europäischen Akademie der Arbeit an der Goethe-Universität + an der Fachhochschule Frankfurt

 
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