Saal 6 (Cuts)
»Ach du lieber Himmel, Hector. Ach Hector, das Bankster ABC. In Wirklichkeit vergeben die Banken zuerst die Kredite, kreieren in diesem Prozess die Einlagen und suchen sich erst später die erforderlichen Reserven. Das weißt du doch besser als ich Schätzchen. Konstruieren wir die Geschichte doch einmal so: Unser Geliebter X, immerhin einer der potenten, mmh, sehr potenten Fondmanager der Kreisler Versicherung hat ein großes, ein sehr großes Paket Nestle Aktien in seinem Portfolio und bekommt es plötzlich mit der Angst zu tun, also möchte er seine Aktie nach unten absichern. Die Aktie steht auf 75, und wir zahlen ihm für eine Prämie alle Verluste, falls die Aktie unter 75 fällt. Das Übliche: Long Put auf Nestle, Basispreis 75, Laufzeit drei Monate, Prämie 8 Euro pro Aktie. Quasi parallel bauen wir natürlich synthetisch Gegenpositionen auf, vertickern die Positionen am Markt weiter, berechnen die verkauften Zeitwerte, beobachten das laufende Verhältnis der Veränderung der Option zur Veranderung des DAX, eine Sensitivitätskennzahl, die angibt, welchen Einfluss der Preis des Basiswertes auf den Wert der Option hat.« Die Diktion der ehemaligen stellvertretenden Vorsitzenden des Mergers & Acquisitions Dept. in Frankfurt/Main schwankt oft zwischen horizonterweiternd/fachspezifisch und leger, insbesondere für den Kollegen Dr. Dr. Hanselmann besitzt Sam Kimberley, heute weit hinter der sog. Chinese Wall der Company arbeitend, sehr explizit organisatorische und lösungsstrategische Vorzüge und Präferenzen in Sachen Personal Management, das er in Zukunft noch besser im Private Wealth Management angelegt/investiert sieht.Natürlich sieht sie oft ein wenig zu hexenmäßig aus, ein viel zu viel sagendes, mundwinkelzuckendes und zitterndes, stachelspitziges Gesicht, das zu mögen Hanselmann eine gewisse Selbstüberwindung kostet, und dennoch, nicht wenige Bedienstete im Unternehmen erblicken in Sam Kimberley und Dr. Dr. Hanselmann das zukünftige raubtierhafte Traumpaar an der Ventralflanke des Unternehmens, bereit jederzeit ins leere Zentrum vorzustoßen, hyperkommunikativ und kompentent, illustrativ, bipolar imposant und bipolar akustisch mit einer eindeutig pleuritisch-pneumonischen Tendenz, zuweilen mit steigender Lautstärke, der Ton dann reiner und dysphorisch, bisdie Personen in unmittelbarer Nähe nach kurzer Zeit auf ein abruptes Schweigen hoffen, wenn nicht sogar manchmal darum beten.
»Ich kaufte mir neulich einen Thermoregulator«, sagt Sam zu Mr.Tension am anderen Ende der Leitung» der spricht sogar und zeigt die Temperatur, Druck und so an, und ich gleiche aus mit Masken, warmen oder kalten Bädern, und ich besitze auch ein Massagegerät und kann mit Magnetschallwellen elektronisch arbeiten. Ich schlafe im Wasserbett und ließ mir zeitnah ein spezielles Heizungssystem einbauen. Teuer sag ich dir. Dreimal wöchentlich kommt eine Fußgymnasiastin ins Haus. Als ich das Fotoshooting für die Talkshow über Anlageprodukte auf Bloomberg gemacht habe, sorry machen musste, standen zwei Handmaskenbildnerinnen bereit. Das dauerte fast den ganzen Vormittag und danach gibts richtig soziologisch hochfrisierten Diskussionsstoff über Analystenphilosophien, angefangen von der »Ökonomie der Kalkulation« bei Michel Callon (vgl. Callon 198,1999, 2007), finanzmathematische Risikomodelle über die echt schrägen Garant Rebound Zertifikate, der einen variblen Kupon in Aussicht stellen, in Abhängigkeit von der Kursentwicklung eines zugrunde liegenden Baskets, wobei sich der Zinssatz an der kleinsten absolut positiven oder negativen Performance eines einzelnen Korbwerts oder kursabhängig orientieren kann oder so ähnlich, was im Klartext nichts anderes heißt, dass für den Anleger nicht mehr als eine mickrige 1% Verzinsung pro Jahr bei einer Laufzeit von fünf Jahren und eine megadubiose Option herausspringt, die mit ziemlicher Sicherheit wertlos ist, was diese Knallköpfe ja natürlich sowieso nicht kapieren, aber man kann ja mit den Anlagegeldern wunderbar unentdeckt in Optionen spekulieren, ach was erzählich ich dir.«
Kopfschmerzen hat Sam Kimberley häufig vom Wasserbett bis zur Eingangstür ihres Apartments, behauptet sie jedenfalls, während sie mit Top Brokerinnen in der Kingkamea Suite sitzt, taktvolle und indirekte Witze über die sexuellen Vorlieben ihrer Mitarbeiter mit äußerst indiskreten mischt und dann leise mit der Hand vor dem Mund lacht. Manchmal überkommt sie mitten im Gespräch eine rosarote Welle liebst-du-mich-noch, die plappernde NeuIsenburgerin mit dem Modelkopf, der ihr neulich beinahe abgenibbelt worden war, synaptisch sowieso, als ihr bei einer Riesenfete eines prominenten Schauspielers in der Villa Rothschild in Königstein/Taunus, wo sie sich am Anfang so komisch Fehl am Platz gefühlt hat, mit ihrer behutsamen Tour der minutiösen Beschreibungen und wissenschaftlich akzeptablen Aussagen, die sie in der Lage ist ad hoc zu modifizieren, wenn es die Problemstellung erwartet, Verifikations- und Kohärenznormen im Bereich des Akzeptablen, deren Archäologie im Dunklen liegt, letztendlich dem Panopticum des kryptogenen gimmickmäßigen Amusements hingab, bevor sie mit ihren eher fragenden Bemerkungen über die seltsamen Praktiken der Tätowierung in einer obskuren Villa am südlichen Mainufer in Sachsenhausen in einen Verbalclinch mit einer sog. Mrs. Taylor geriet, die, obwohl sie es nicht war, die große Gastgeberin spielte, und praktisch unerschöpflich über einen gewissen Dr. Med Schönblick erzählte, mit der Dämmerungsfröhlichkeit der Droge über das Tattoo und seine Kartographierungen als zweite Haut faselte, dabei den Rücken ihres tiefgeschnittenen knöchellangen hellblauen Satinkleids mit dem Quadrat aus vier verschiedenen Schlosshündchen freigab, bis es Sam Kimberley regelrecht zu bunt wurde und sie richtig in den Wettkampf um Kunsttauglichkeit oder Kunsthandwerklichkeit des Tätowierens einstieg und eine fing und ihre Gesprächspartnerin eine fing und so weiter und sofort -am Ende bluteten beide Köpfe aus mehreren Öffnungen und Wunden. Sam Kimberley hält in der einen Hand einen Kuli wie eine Zigarette hoch, mit der anderen das aufgeklappte Handy an den Mund, der Schlürfgeräusche wie Pst und Pschss absondert, als am anderen Ende der Leitung Mr. Tension aus dem Office 2/34 in London ihrem Statement zur Leverage-Strategie der letzen beiden Tage energisch zu wiedersprechen versucht. Sie gibt dem Gesprächspartner am anderen Ende der Leitung vor, gerade in ihrem Notizblock umzublättern und verliert tatsächlich ihren Kugelschreiber, mit dem sie eine zeitlang in ihren zur Serpentine hochgeföhnten schwarzen Haare herumgestochert hat, bevor er auf den neonröhrenerhellten Boden klackt und einen Vektor zieht. Anstatt sich zu bücken geht sie auf nylonbestrumpften Zehenspitzen vom Panoramafenster zurück zum Konferenztisch, der mit ergononischen Ledersesseln ausgestattet ist, und von dem man sich von den bereitgestellten Getränken, Evian mit und ohne Bubbles, Cola-Zero und Kaffee in stahlgebürsteten Thermoskannen bedienen kann. Sie deckt den Raum mit ihren optischen Macken ein, sodass der linke Wangenknochen stärker hervorsteht als der rechte, um den Mundschlitz herum sich winzige horizontale Falten bilden, und wenn sie ihr breitestes Lächeln aufsetzt, glaubt man, es würden sich zwei weitere Schlitze unter der Unterlippe bilden, aufnahmebereit für Coins oder kleine Münzen. Sie sagt, sie habe so ziemlich alles gesagt, was sie zu sagen habe, sie müsse jetzt einen Schluck Kaffee nehmen, ansonsten schlafe sie sofort ein.
»Mir fehlt nichts«, sagt Sam Kimberley Sekunden später im Sitzen. Nach dem Krächzton zu urteilen, schmeckt die Investmentbänkerin aber nichts weiter als den heranstürmenden Tod. Ihr Gesicht ist schlagartig erstarrt und die Kaffeetasse zerbricht in ebendieser Sekunde auf dem Polyolefin-Bodenbelag, während sie sich mit dem Handballen an die Stirn schlägt, um die Gesichtsstarre zu zerschlagen. Ein nesselbesetztes Hitzegewitter überspült Ober- und Unterseite der Zunge und erfüllt sie bis in den Rachen mit halogenierten Oximen, und eine erbarmungslose Wärme dringt durch die verschiedenen Öffnungen in ihren Schädel ein - heiß, wie nur brennende Hitze heiß sein - die Biegung, die ihr sofort die Diagnose anaphylaktischer Schock in roten Leuchtbuchstaben ins Gehirn drischt, lautet Sofort Handeln – sie torkelt in Foxtrottschritten zum linken Kopfende des Konferenztischs und aktiviert mit einem krampfenden Zeigefinger die Funk-Tastatur des internen Alarmsystems des Esperanto-Buildings. Sie hat sich schon einige Male in ihrem Leben so hilflos und übel gefühlt, aber dieses Mal ist jeder Zungenschlag ein Überfall auf ihren schmerzdurchfluteten Schlund. Nicht nur angenehm kühlende Luft wispert unterdessen aus der Klimaanlage an der Decke des Konferenzzimmers. Sie knabbert beharrlich an ihrem violett lackierten Ringfingernagel, als der Fingernagel abgebrochen ist, gibt sie das Nagen auf. Sie sieht, wie ihre Arme luftige kleine Raumschiffe werden, und spürt wie sie sich ihrer Machtkontrolle entziehen, sie spürt, wie die Kraft zu trommeln, zu keuchen und zu krampfen stetig nachlässt und läst den Urin einfach fließen, aber sie spürt weder Nässe noch Wärme, stattdessen einen ungesunden Pulsschlag auf der rechten Halsschlagader, als ob ein scharfkantiges Messer durch die Arterie fährt und das Gefäßbrausen in ein akzentuiert dröhnendes Donnern transformiert. Sie schnappt nach Luft wie beim wilden Sex.
Das Doppelblinken der Notfalllampe hinter dem Schalter B1 auf Augenhöhe von Dr. Dr. Hanselmann erzeugt ein interessantes Interferenzmuster mit dem roten Batterielämpchen des Rauchmelders an der Decke des Kundenberatungzentrums. Als im Erdgeschoss der Esperanto Bank die Lautsprecher im Wechsel die Zahlen 32/112 und das Codewort »Ziffer75« ausrufen, weiß der clevere Investmentbänker aus Zürich, der zwei und zwei zusammenzählen bzw. der sich zuerst die Vorder-, dann die Kehrseite einer Münze vorstellen und dann beide gleichzeitig sehen kann, dass Gefahr im Verzuge ist, er also Punkt für Punkt einem Notfallplan zu befolgen hat, aus purer Gewohnheit vertraut Hanselmann mehr seinen eigenen Augen als den akustischen Medien, und so sprintet er zur Glasgondel, hechtet durch die offene Tür des Fahrstuhls, der ihn in der runden Glasröhre an der Zwischenwand gegenüber dem Eingang des Beratungszentrums in den 32. Stock des Buildings hinauffährt. Hanzelmann hat kurzfristig vergessen, seine isometrischen Muskelkontraktionen fortzuführen und will sie jetzt allen Ernstes entgegen aller Gewohnheit, seine Digitaluhr zeigt 11:08, wegen der Clusterkopfschmerzen und den kranofazialen Neuralgien erneut aufnehmen, aber sein zuweilen surreal anmutender Kampfgeist sagt ihm alternativ, dass jeden Augenblick höchste Konzentration für eine höchst kohäsionsstiftende Hilfsaktion erforderlich sein wird, als es Kling macht und er ein zischendes Ventil imaginiert, wie es kein Ventil der Welt erzeugt, während die Glastür sich lautlos aufschiebt. Dr. Dr. Hanselmann, dem trotz seiner Gesichtsverwüstung die Vernunfthoheit ins Gesicht geschrieben steht, reißt die Arme seltsam lenteszierend hoch, als gäbe es da eine Vorschrift oder etwa die Anweisung eines Priesters, pustet Luft konzentriert ein und aus, erreicht schnell das Zimmer 112, wo Sam Kimberley mit beiden Händen an ihrer Kehle und um Luft ringend auf dem Rücken liegt, ein Quietschen oder ein Röcheln ertönt. Hanselmann ist sich nicht sicher, ob es sich nicht um einen aufblühenden Hirnorgasmus ihrerseits handelt, der jeden Windhauch zu einem Sturm aufbläht. Den schrillen Geräuschen, die verstummt sind, ist eine Evolution vom Intentionstremor zur reinen Apikalität gelungen. »Sam, kannst du mich hören?«, schreit Dr. Dr. Hanselmann.
Als Alonso unerwartet eine überdimensionierte dsyplastische Auster bemerkte, die ihm künstlich und von der Farbgebung monstermäßig aufgeblasen vorkam, ganz und gar nicht isopisch, obwohl ihm auf den ersten Blick nichts umwerfend Besonderes an der Lieferung aufgefallen war, gefror sein müdes und zerknittertes Gesicht , und als er die besagte Auster in die Hand nahm, sie direkt vor sein Gesicht hielt und sie minutenlang von oben und von unten mit rotierenden Augäpfeln periodisch inspizierte, begann er den dekadenten Lieblingssüffelkram seiner Wochenendgäste aus der Celebrityhochburg München-Schwabing instinktiv zu hassen, Gäste, die so nervig sind, dass man sie wünscht nach »Guantemantana« auszufliegen, wenn das etwas hilft, sie seien ohnehin brainwashed und/oder psychisch dekompostiert, ohne dass selbst ein Heer von Psychologen in der Lage wäre, ihre verhängnisvolle persönliche Weiterentwicklung unterbinden zu können. Alonso nahm unaufgeregt das Austernmesser, musterte zuvor recht auffällig das elliptische Kalkgehäuse der ostrea edulis zum mindestens dreißigsten Mal, wobei er fand, dass die rechte Klappe wesentlich stärker gewölbt als die linke war, von der Farbe her weniger hellgrau, sondern eher grünlich mit rosafarbenen und rötlichen Flecken. Wobei der Inhalt der Auster eine winzige spiralförmig gewundene Drahtschlange mit Sprungfeder war. An diesem neuralgischen Punkt versuchte Alosnos direkt auf Höhe seiner Augen die Spitze des Austernmessers zwischen die beiden flachen Klappen zu stechen, um an das Ligament in der dreieckigen Ligamentgrube zu kommen. Es machte Knack und die Schlange sprang heraus, zwei der fünf anwesenden Personen kreischten und fassten sich an den Kopf, während Alonso sofort einen eher asthmatischen als cholerischen Anfall bekam und der Chefkoch für Geflügelgerichte Laarmann johlend durch den Raum klonkte und dann mit der Faust so fest gegen eine 20 Inch Box mit lebenden Lobstern drosch, dass die Tiere unter dem bitteren Freundgeheul eines Scherzartiklers auf dem gefliesten Boden herumkrochen – auch so eine visuelle Wahrnehmungsphobie heute von Alonso, gruselig und hoch kontextualisiert - und für gemäßigte Panikattacken und zugleich solmonentes oder apathisches Mienenspiel des Küchenpersonals im Raum sorgten. Die Drahtschlange beendete ihre Parabel an einer Gasleitung an der Decke und blieb mit nacheruptiver Sprungfeder hängen, während Alonso anscheinend intuitiv aber gemächlich nach dem Griff seines Kai Shun Tranchiermessers griff, dessen Klinge in der Schatulle am schwarzen Ledergürtel hing, und das tiefenbrustemphatische Lachen Laarmanns erst langsam erstarb, obwohl die Augen und/oder er Gesichtsausdruck der meisten Anwesenden längst etwas Paradigmatisches und Quälendes hatten oder auf unergründliche Weise hart geworden waren und von einem stroboskop-artigen Verwünschungstableau zeugten, das weniger die Kurzschlussassoziationen ihres Starkochs beziehungsweise der giftinjektorische Ausbruch eines halbverrückten Cholerikers treffen sollte als die mit geradezu fotorealistischem Detailreichtum vorgetragenen Lachkrämpfe Laarmanns, die in einen sekkierenden Tonus gerieten und vollends dem Dissens huldigten; Alonsos Hand bekam etwas Krallenhaftes, sie umschlung den Griff des Messers, dessen Klinge plötzlich aus der Schatulle raste, er zögerte für einen winzigen Augenblick und warf dann das Messer aus der Hüfte und in hohem Bogen in Richtung des Chefkochs für Geflügelgerichte. Dieser sackte wie nach einem tödlichen Schuss nach Steuerbord zusammen, eine absolut filmreife Ausweichbewegung, das Messer flitzte durch dessen Mephistokochmütze mit poppigem Flammenmuster und blieb mit der aufgespießten Mütze zwischen den in grau auf blau und handgezeichneten Graphen eines Originalwerbeplakats des deutschen Verbraucherschutzes e.V. stecken, das den Boykott von kalorienhaltigen Süßspeisen, diätignorierenden Pasteten und toxinhaltigen Biofruchtjoghurts auf die Dauer eines Jahres propagierte, und der Griff schwang mehrmals nach, ein Bong Bong Bong klackte durch die Luft, als Alonso mit seinen für einen Koch ganz und gar ungewöhnlichen Undercover Springerstiefeln seine Halbkreise zog/klonkte, sich dabei mit schauderhaft langen Kunstfingernägeln systematisch rechte Wange und rechten Arm aufkratzte, bis er wie ein BSDM Opfer zweiter Kategorie aussah.
Das Wort Bestrafung verfolgte ihn lange, kein unchristliches Wort, dass ihn den Rest seines Lebens immunologisch perforieren sollte; in Foxtrottkadenzen folgte er seinen Paraphrasierungen/Dissoziationen über den Staat, Gott und die Welt und explizit den Chefkoch für mieseste Geflügelgerichte. Alonso verfluchte den nach wie vor passager auftretenden Imtimfeind mit Schnellfeuerflatulenzen, die nach Hackbraten und Backfisch stanken, unternahm keinerlei Versuche das Tranchiermesser aus der Wand zu ziehen oder aber Laarmann vielleicht sogar an die Wäsche zu gehen. Stattdessen riss er eine Kühlbox mit Steaks von mit Bier, Sake und einer speziellen Kraftfuttermischung versorgten japanischen Kobe-Rindern auf, wirbelte einen Fleischlappen durch die Luft, fing ihn auf und biss mehrmals in das Fleisch, das Gesicht wutverzerrt vom selben Rot wie des Steaks, presste die Zähne fest aufeinander bzw. zwischen das Fleisch und riss hemmmungslos/stürmisch mit beiden Händen am Fleischende, drehte den Kopf unentwegt wie von Sinnen im Uhrzeigersinn, zerrte den Brocken hin und her, kniff die Augen zu, schob den Unterkiefer von links nach rechts, und bildete sich auf seine ihm eigene affektierte Art ein, den sackförmigen Grinskopf Laarmanns zwischen den Zähnen zu haben und zu kannibalisieren, während der Gedanke kohärierte, dass der ausgemachte Schwachmatiker binnen Sekunden im großen Bassin im Vorratsraum läge und mit schrecklich nutzlosen Paddelbwegungen den in schier rauen Mengen herumwuselnden und beissenden/zwickenden Piranhas Widerstand zu leisten versuchen würde oder sein Kopf durch die Nasengänge von speziell spitzen Essstäbchen für seine hirnverbrannten Sushi-Kreationen zigmal aufgespiesst würde, bis so oder so fantastische Blutfontänen mit einer Art wohltönendem Zischen aus Augen und Mund schießen würden, und immer noch zerrte Alonso unsystematisch, manchmal in Kreisbewegungen an dem Kobe-Steak, bis der Fleischbrocken die Spannung nicht mehr aushielt und ein fasriger hellroter Fleischfetzen schließlich zwischen Alonsos Zähnen hing, der rechte Schneidezahn locker baumelte und später von selbst ausfiel. Sein Kopf war triefend nass. Laarmann redete währenddessen nonstop auf Alonso ein, ein poppiger und zugleich quirliger Mix aus Verwünschungen und Aufzählungen der Zutaten seiner neuesten Fasan-Kreationen, während die Köche, -gehilfen und Assistenten ununterbrochen wie in einem Beckett Stück im Quadrat im Raum herumliefen. Alonsos traumatisierte Augen waren sofort rot und fiebrig. Laut sang er den Text von einem Song der Isley Brothers, ohne sich um eine passende Melodie zu kümmern, pirouettierte um Laarmann, Alonso wußte ganz genau, dass verrückt zu werden auch bedeutet, dass man weiß, dass man verrückt wird, aber who knows. Alonsos Schlag war kein Freundschaftsklaps, sondern ein jahrelang geübter Karateschlag, der niemals die Spitzengeschwindigkeit der Hand des professionellen Karateka von 10 bis 14 Meter pro Sekunde erreichen würde, der normalerweise mit einer Kraft von über 3.000 Newton dicke Platten aus Holz oder Beton zertrümmert.