Pole Position (Cuts)

Der Körper trägt ein fotogenes Gesicht, das aus künstlichen Zutaten gemeißelt ist, aus chirurgischen Eingriffen, um vollmundige Lippen, enge Nasenführung und lange künstliche Wimpern herzustellen, goldener Schnitt, alles in allem eine höchst unpersönliche Ausdrucks- bzw. Kunstform, die Chief K. besonders im knallgelben Lichtstrahl gehangen oder gefangen fasziniert, insbesondere, als das Gesicht der Regieassistentin einen extrem wilden Surround-Blick aufsetzt und vor grimassierendem Lächeln oder lächelnden Handicaps beinahe explodiert, auch weil eine Fernsehkamera des Fit for Fun Channels gerade eine epigonen- bzw. launenhaft ekstatisierende Melody, die schon während des mörderischen Werbedrehs für Hakle Feucht, bei dem es zu wirklich widerlichen Inkontinenzattacken seitens des männlichen Hauptdarstellers auf der Designertoilette des Burners Hotels nebenan kam, reichlich hochprozentigen Alkohol konsumiert hat, aufdringlich einfängt und lange filmt, währenddessen Melody ihr etwas zu idyllisch geratenes Lächeln gerade selbst bespitzelt, wie auch ihre intime Kontaktaufnahme mit dem Teleobjektiv selbstreflexiv zu inszenieren bereit ist, und gerne würde jetzt Chief K. selbst zumindest mit einer hochauflösenden Handykamera sowohl über die kurvenreichen Landschaften von Melody als auch der Horrorgeschichte des Gesichtes der Regieassistentin von Arte gleiten und durch diese technologische Orchestrierung hindurch all seine schwebenden Empfindungen ins Gehirn schießen lassen. Das TV-Licht stellt Melody in diesem Augenblick mehrmals hintereinander auf intelligent, wobei man die ausgedehnte Großaufnahme speziell auf ihre großen grünen Pupillen, die durch die schwarze Umrandung der Augen etwas kleiner wirken als sie es tatsächlich sind, einfach kommunikationstechnisch durchdekliniert gesehen haben muss, sonst glaubt man es ja nicht, dass Melody ihre Augen fast aus den Höhlen rollen kann, nur um zu konnektieren, bis die Zähne ihrer Partygäste letzten Endes wild aufeinanderschlagen. Allerdings geht der Regisseur, körperliches Format Eichenschrank, jetzt nicht auf Melody, sondern auf eine Gruppe von Melody-Groupies zu, säuselt dabei »Wollt ihr ins Fernsehen?« ins Mikrofon, als wolle er etwas Kunstvolles, etwas Wichtiges sagen, worauf die Teenager im Chor »Of course, of course« leiern und sich gegenseitig hochfrequent ihrer Klasse & Superindividualität bestätigen, allerdings mit stilistischen Anleihen an jene unglaublichen Ashlee-Simpson- und Miley-Cyrus-Bild-Szenarios. Kurzerhand stattet das Begleitpersonal der Company Fit For Fun die fünfköpfige Mädchengruppe mit einer Portion extraweicher Cheeseburger sowie mit weichen Pommesstangen gefüllten Papiertüten aus, auf denen das »Friss Mich«-Logo einer weltbekannten Fastfoodkette zu sehen ist. Blitzschnell inszeniert die Filmcrew eine wenn auch bescheidene Choreografie, was die zufällige Begegnung der Antiheldinnen mit einem hochattraktiven (imaginären?) Wunschobjekt hinsichtlich eines kinderleicht zu verfolgenden imperialen und ubiquitären Genuss-Imperativs angeht, und beginnt kurzerhand im Feuer von Anweisungen und Details mit den Dreharbeiten. Ausgewählte Sequenzen eines gestellten Interviews mit der kurvenreichen, brünetten Hauptdarstellerin werden auf der großen Hauptleinwand hinter der Bühne ausgestrahlt, die in diesem Moment vor die Kamera 4/5 tritt und mit deutlich ausgestrecktem Zeigefinger auf die sofort eingeschüchterten Girls zeigt und dabei steinhart lächelt, die medusenhafte Schönheit einer Miss World im Gesicht, während die fünf Nebendarstellerinnen relativ ratlos und/oder hilflos den koketten Angriff der Mörderschlampe abzuwehren versuchen, so dass das Fast Food fast unbemerkt ihren erschreckten oder halbgelähmten Fingern entgleitet und zufrieden, weil in seinem Dingstatus anerkannt, auf den gefliesten Boden sinkt, während die Girls sich die Hände vor die Köpfe schlagen, die durch einen zeitlupenartigen Kameraschwenk auf zertrampelte Cheeseburger nun leicht verschobenen bzw. verwackelt auf dem RTL-Screen erscheinen, und dann in die ausgedehnte Großaufnahme hinein, wobei sie mit voller emotionaler Wucht ja fast gewaltsam tierisch laut schreien – das alles bildet in Schnittfolgen und Nahaufnahme das Voiceover für die Zuschauer. Die Schönheit sagt: »Bulimia nervosa kein Problem. Leiden sie unter unstillbarem Heißhunger, an der unwiderstehlichen Gier nach industriellen Nahrungsmitteln, so besuchen sie unsere stilvoll eingerichteten Multi-Media-Restaurants /MMR/. Hier wird sie unser erstklassiges Service-Personal in gemütlicher Atmosphäre rund um die Uhr verwöhnen. Und unsere Produkte werden sie in den exklusiv designten Toiletten mit Leichtigkeit wieder los, schneller als ihnen vielleicht lieb sein kann.« Cut. Die Girls reagieren kaum noch, scheinen mehr als nur subakut verunsichert, von der verhängnisvollen Durchschlagskraft des Werbespots total überrascht oder geschockt, der ihrer Meinung nach den psychoästhetischen Bogen des erlaubten oder erhabenen Geschmacks weit überspannt hat, so dass die jetzt fast schon ausrangierten Nebendarstellerinnen mit hilflosen rudernden Handbewegungen verzweifelt nach Melody winken, die gerade vor der laufenden Kamera von RTL um Haaresbreite das »perfect smile« verfehlt, eine Art Verkrampfung der Fazialismuskulatur bis zum Risus sardonicus bei leicht glasigem Blick, der den Anschein des Schwebens zwischen Animalität und sublimer Entspannung beim Zuschauer hervorrufen soll, wobei Melody relativ energisch an die Verantwortlichen und Führungskräfte von Fit for Fun und MMR appelliert, den tief in ihrem Seelenleben betroffenen, ja insgeheim bis ins Seelenmark sozusagen gestörten und verstörten Mädchen beizustehen, wobei die Seele ja nichts weiter als die Form des Körpers sei, der ja bei den Mädchen mit dieser Art von unheimlicher Proktoskopie im Vergleich zu dem Puppenkörper dieser hochgezüchteten chemoiden und in einer Art Ekstase des chirurgischen Schneidens verweilenden personifizierten Körperattacke aus München im wesentlichen unberücksichtigt geblieben wäre, so dass die CEOs beider Unternehmen sich hoffentlich darüber im Klaren seien, falls sie irgendwie noch bei klarem Verstand wären, hicks, dass sie nicht nur für das anstehende Therapieprogramm bei Dr. Marquardt verantwortlich, dessen psychologisches Wissen im übrigen unerschöpflich sei, wobei sie sich aber nicht sicher sei, ob sie selbst diese atemberaubende Therapie seelisch unbeschadet überstanden hätte, hicks, also nicht nur die volle moralische Verantwortung und natürlich fristgerechte Bezahlung für den Gig zu übernehmen, hicks, sondern auch für die doppelte Exekution der fünf ihrer Seele beraubten Mädchen Mitgefühl zeigen müssten, die nun für ihr zukünftiges Puppendasein auch ihre Körper zu opfern gezwungen worden wären, hicks, um quasi als seelenlose digitale Feen zu überleben, denen also leider nichts mehr übrigbliebe als beim unappetitlichen Strippabend die Mortifikation des virtuellen Lebensfadens endlos weiterzuspinnen.

 

 


 

Mansfeld
Spaghetti Bolognese und Valpolicella, Spaghetti Funghi und Valpolicella. Die gedämpfte Lautkulisse dieser Sorte Systemgastronomie macht Mansfeld sofort hinreichend nervös, sodass er sich mehrmals vertikal mit der Handfläche über die leicht mit Schweißperlen überzogene Stirn fährt und ungewöhnlich gierig, zieht man seine sonstige Zurückhaltung an öffentlichen Plätzen wie diesem in Betracht, Ausschau nach zwei ihm bisher unbekannten Männern hält. Laut Aussagen eines Angestellten des firmeneigenen Security-Services besitzen die CEOs des italienischen Unternehmens T.U.K.S., das unter anderem Lebensmittelaromen und SweetTarts herstellt, annähernd die Physiognomie von zackigen SS-Offizieren. Das im Moment sehr angekratzte Image der Manager, hervorgerufen durch die rasante Abwärtsentwicklung der Börsennotierung des Unternehmens, den vielfältigen Gerüchten über dubiose Kontakte zur sizilianischen Mafia, die der Wahrscheinlichkeitsprognose eines bekannten Meinungsforschungsinstitutes entgegen gar nicht zu leugnen sind, sowie durch den finanziellen Spin – Off bzw. Einstieg von T.U.K.S. in diverse unkalkulierbare Großprojekte, was Mansfeld alles längst zu Ohren gekommen ist, macht letztendlich einem so ausgebufften und dermaßen risikobereiten Geschäftsmann wie Mansfeld keine allzu großen Sorgen. Er wird sich nicht supplizieren. Er lächelt etwas buddhophil in sich hinein, lässt sich von einer jungen weiblichen Bedienung die Getränkekarte reichen. Mansfeld hat es immer als eine Art Imperativ seines unternehmerischen Könnens angesehen, nicht allzu lange auf Geschäftspartner zu warten oder wahlweise bei der ersten Begegnung durch sein eigenes verspätetes Erscheinen die jeweiligen Geschäftspartner regelrecht zu brüskieren, was sein eigenes (Splitter-)Ego kaum in Bedrängnis bringt, seine Person zwar manchmal in den Augen der Businesspartner diffundiert oder defraktiert, die ihn jedoch seltsamerweise selbst dann noch als ein gefundenes Objekt/Fressen ihrer Faszination begreifen, eine für Mansfeld äußerst störende Angewohnheit, weil das seiner wahren Göße und Effektivität überhaupt nicht entspricht und nur selten verwandelt sich diese Art sybaritischer Faszination vor allem bei weiblichen CEOs in Ekel pur. Dennoch gibt es einen Aspekt, der Mansfeld ernsthaft veranlassen sollte, etwas genauer über seine sehr spezifische Art der Verhandlungsführung nachzudenken: Das mangelnde Gespür bzw. Verständnis für Sprech- und Verhandlungssstrategien der Gesprächspartner kann sehr schnell eine Erhöhung des emotionalen als auch des informationellen Konfliktpotenzials der Beteiligten innerhalb eines Meetings heraufbeschwören, beispielsweise wegen seiner plumpen Unart des vermeintlich hochschlagfertigen Konterns von Aussagen, als leide er bei aller semantischen Ausgefeiltheit seines Vortrages phasenverschoben unter dem Tourette-Syndrom, oder wegen der generellen Kriegsterminologie, die urplötzlich aus ihm herausbricht und auf die Anwesenden total verstörend wirkt, oder wegen des Anfluges eines äußerst herablassenden Verhaltens, das für die Gesprächsteilnehmer oft so vollkommen unbegründet erscheint wie das Ermessen und Erfassen des spröden Zahlenmaterials oder der finanzmathematischen Funktionen, die Mansfeld monoton auswälzt, ohne das Material aus Lehrbüchern abzupausen, von denen er persönlich gar nichts hält, und all diese Faktoren erhöhen natürlich die persönlichen Risiken für den Hedgefondmanager Mansfeld, womit unter Umständen das Pressure körperlicher Gewalt in dunklen Seitenstraßen im Westend nicht auszuschließen ist, aber weil er weiß, dass eine unausgekostete Existenz geworfen in die globale Echtzeitökonomie immer einen schalen Beigeschmack am Ende hinterlassen kann, falls nicht ein ekstatisierendes, durch eine Übersteigerung von Erregungen, Kämpfen und Krämpfen ausgekostetes Leben hinzutritt, nimmt er die Gefahren nun einmal in Kauf. Der zu erduldenden Roundtripzeit, eine Zeitspanne, in der eine Geldorder vom Kundensystem über die Kanäle des digitalen Netzwerkes von Mansfeld & Mansfeld bis zum Backend gejagt wird, Zeit wie Geld & Bits als Recheneinheit und Zahlungsmittel, sodass im elektronischen Börsenverkehr der relative Preis von Derivaten, Aktien und Devisen im Bereich von Millisekunden schwankt, versucht Mansfeld mit gespielter Indifferenz zu begegnen, aber auch ekstatisierend und drogenberauscht. Dennoch sollte Mansfeld schleunigst überlegen, ob die Idee wirklich effizient ist, neben den projektierten gewöhnlichen Gonzo- und Featurestreifen mutmaßlich unappetitliche Fetischfilme trotz des Einsatzes eines beachtlichen Produktionsbudgets in Auftrag zu geben (zwei M & M – Mitglieder starrten bei einem Meeting eingeschüchtert oder schamvoll aus dem Panoramafenster, das den Blick auf die beiden pralles gleißendes Sonnenlicht reflektierenden Tower der Deutschen Bank ermöglichte), die brachiale Fistings mit gerippten Liebeskugeln von der Größe eines Handballs im Detail zeigen, anale DPs in Serien, Dobermänner, die mit 30 Zentimeter langen Strap-on-Dildos bewaffnet, glucksende oder gutural stöhnende Teenager von hinten nehmen und so weiter. Mansfeld ist sich nicht zu schade, diesen obskuren Filmstreifen das Etikett »pornografische Kunst« aufzukleben, womit er sich auf dem besten Wege befindet, ein halblegales oder illegales Branchensegment innerhalb der Sexindustrie zu ideologisieren oder zu verklären, das laut unzähligen Insidergerüchten kurz vor dem Aufkauf durch den Marktführer der Branche IMPLANE steht, und in dem darüberhinaus hohe Geldsummen gewaschen werden, die aus den Kommunikations- und Geschäftsumfeldern des Drogen- und Mädchenhandels stammen.
Als endlich zwei dünne, hochgewachsene Männer, die Mansfeld fast intinktiv als seine Gesprächspartner identifiziert, den Bogeneingang des italienischen Restaurants passieren, befinden sich drei schwergewichtige Personen in deren Begleitung, es sind selbstbewusst auftrumpfende Hooligans, die Brillantsticker in den Nasenflügeln und an den Lippen gepiercete goldene Ringe tragen.
Mansfelds 4 cl Weinglas ist leer. Auf seine typisch gespielt freundliche Art räuspernd, ohne dass er die Faust vor den Mund hält, bietet Mansfeld leicht nickend dem etwas Mächtigeren der beiden Männer einen Stuhl, dem anderen ausdrücklich ein Glas Wein an. Ihnen vorschnell eine geneigte bzw. affirmative Reaktion zu entlocken, ist überhaupt nicht sein Ding, auch nicht einem anstehenden Gespräch einen nachhaltigen Turnaround zu geben, nachdem man sich vielleicht eine Stunde lang ausführlich über Opiumhöhlen in Afghanistan, das Amüsierviertel in Kabuki-Cho, Schamanen in der südwestlichen Wüste Mexikos und über die Wiedergeburt des Ragtime in der Jazzszene unterhalten hat. Genanzino, so der Eigenname des Anführers der beiden merkwürdigen Businesspartner, macht seine schwarze glatte Aktentasche auf, zieht ein paar Papierbögen heraus, Diagramme, Statistiken und offensichtlich Baupläne für ein Gebäude, dessen gewaltige Dimensionen man schon an den Fotos und den 3D-Animation Grafiken erkennen kann. Die nächsten Minuten hört sich Mansfeld ganz gelassen die Präsentation an, lässt sich durch diesen absoluten Irrgarten von Informationen, mathematischen Kurven, Balken – Charts und Zahlenmuster schleusen, und debattiert leidenschaftslos mit den beiden italienischen Geschäftsleuten über eine mögliche Kooperation ihrer Companys im Rahmen von Beteiligungen, stiller Teilhaberschaft, Vertragsbeziehungen und B2B – Modellen, erklärt, dass er, um die einzigartige Möglichkeit der Mit-Marktführerschaft oder sogar der Position der Pole Position in der Sexbranche zu erlangen, diese auch durch die Konzeption und den anschließenden Bau eines Allroundsex -und Wellnesscenters der körperfixierten Unterhaltungsindustrie endlich am Schopf zu packen gedenke, und sein finanzielles Potenzial, Kreditspielräume und weitere Geldressourcen bis zu einem vertretbaren Maß auszureizen bereit sei, Mansfeld plädiert unvermittelt für einen interstellaren Angriff auf das Zentrum der Sexbranche, das nach wie vor in L.A. läge, dem man nun mehr als nur einen schmerzhaften Stich zufügen könne. Herrliche Hacienden, Molekularküchen, Spielsalons, Filmstudios, Tabledancebars, Wellness & Fitness, variantenreiche Swingerclubs & SM – Center wie sie selbst Las Vegas nicht kenne. Luxusbordelle. Während des ausgeklügelten Votrages, dessen Thesen Mansfeld mittels der Anwendung von Computermodellen, Diagrammen und jede Menge Zahlenmaterial später in seinen Büroräumen gerne der Deduktion und Induktion anheimstellt …
Snaffu
Pah, diese wunderschönen Augen. Sie sind sowas von extravagant. Und wie grandios die Augäpfel unter den blaugrünen Lidschatten hervorquellen, das Bild erfüllt dich bis zu den Blutgefäßen der geschwollenen Fußzehen deines rechten Beins hinab mit dem Segen der sensationellen Stille, die leider viel zu oft von diesem puristischen bzw. puritanischen Trottel Dr. Schönblick als pure Apathie oder zu diagnostizierende Agonie missverstanden wird. Leider kann auch Mascara auf den Wimpern das winzige Dreieck, den kleinen gelben Klecks infiziöser Flüssigkeit an den Rändern der Iris, nicht hundertprozentig wegzaubern. Kein noch so winziges Detail kann der Archivierungswut deines inneren Auges entkommen, einzig das Sehen kannst du nicht sehen.
Du fühlst dich gut. Vor Wochen schon ist was richtig Leckeres in dich reingekommen und für nen Weilchen hast du alles um dich herum vergessen, nur um -biiip-biiip-biiip- das Gesicht von Kate Moss auf der Titelseite der französischen Vogue über Tage hinweg eiskalt zu studieren – schmunzel. Immer, wenn das kapriziöse Pogo-Bild, dessen illusionistischer Seheindruck durch die verquere Topologie deiner neuronalen Gitter erzeugt wird, dich an der Funktionstüchtigkeit deines Hinterhauptscortex echt zweifeln oder verzweifeln lässt, weil jede noch so winzige Nuance des Augen-Set-up`s des Models dein Gehirn anscheinend unmöglichen topologischen Kriterien ausliefert, puh, die Art, wie das Model seine Augenlider (Palpebra inferior) mit dunkelbraunem Kajal betont, sodass die Lidschatten bis knapp unter die Augenbrauen reichen, stopp, ein viel zu langer Lidstrich und, puh, die überschminkten Tränenkanäle, das obere Lid (Palpebra superior) und der untere Wimpernkranz, unglaublich, mit dunkelbraunem Shadow ausschattiert, und nicht zu vergessen der ganz spezielle Schimmer über ihrer Retina, und je mehr du dich auf dieses Erinnerungsbild gerade konzentrierst, während du zeitgleich monströse Augen und skalpierten Gesichtsausdruck am MAC zeichnest bzw. die Koordinaten festlegst bzw. korerektes Interlacing betreibst, puh, desto schneller wird sich in Sekunden ihr Kopf zykloid drehen, wow, wahrlich ein Geschöpf mit einem beachtlichen Facettenreichtum, aber irgendwie auch nervtötend, schließlich ergötzst du dich selbst mit total verschwollenen & geröteten Augen schon eine ganze Weile daran, massierst dir zwar zwischendurch mal die Schläfen, am Ende, na ja, wirst du dem Zuckerpüppchen ein Arschvoll Tetanusbazillen in das linke Nasenloch stopfen.
(Unter eidetischem Vorstellungsvermögen versteht man die Fähigkeit, ein intensives Bild, welches durch die Betrachtung eines Objekts entstanden ist, bei geschlossenen Augen (für eine Zeit von mindestens 40 Sekunden) vorzustellen und in seiner bildlichen Integrität zu sehen. Lange nachdem das reale Objekt entfernt wurde, vermag der Eidetiker noch exakte Details des Gesehenen zu reproduzieren oder ein Bild, das die Dynamik des konventionellen Anblicks besitzt (nicht unbedingt als Kopie, sondern quasi mit multiperspektivischen Dimensionen oder eine Kombination von Bildern aus verschiedenen Quellen) zu produzieren, wobei die Empfindungen und Bildeindrücke in ihrer Plastizität duchaus den Status des Bewusstseins erlangen können.)
Tiffany, die gerade die schwere stählerne Eingangstür der Villa hinter sich zugeschoben hat, weil ihr die atmosphärischen Schwingungen im Foyer zu dämlich vorgekommen sind, wie sie es pampig ausgedrückt hat, schert sich sicherlich einen Dreck darum, mit welch penetranter Präzision du einen kleinen warzigen Pickel über ihrer Oberlippe auslöschst, die auf dem Screen gerade in 4facher Vergrößerung zu bestaunen ist. Vor deinem hypergeistigen Auge senkt Tiffany mehrmals melancholisch die leichten Augenlider, als müsse sie im kleinen runden Spiegel ihrer Puderdose neidlos anerkennen, wie in der Mulde zwischen Oberlippe und Nasenspitze das eitrige Pickel sich eifrig fortpflanzt, um die umliegenden Hautoberflächen mit weiteren erröteten Kindern zu besetzen oder zu bevölkern. »Du bist ja total verrückt!«, maulte Tiffany noch vor einer Minute. Danke gleichfalls! Du wünschtest, es wäre so, aber viel zu viele indifferente (visuelle) Durchgeknalltheiten erstarren auf den Muskelsträngen, die Augäpfel und Gehirn verbinden, hängen wie eingetrocknete Schemen im Temporallappen oder posterior parietalen Kortex fest, wobei du weder unterscheiden kannst, ob es sich um bekannte oder unbekannte Objekt handelt, noch deren räumlich- zeitlichen Positionen zu bestimmen imstande bist, wie seltsame Muster der Intoleranz und der Hundertblättrigkeit. Tiffany, weil du ständig bösartige Widerworte aussprichst, brauchst du dich überhaupt nicht zu wundern, dass man desöfteren einen fiepsigen Sekundenbruchteil vor deinem alles niederschmetternden Lachkrampf ein ebenso niederschmetterndes Simulacrum davon auf dem Screen einfriert. Tiffany, deine Lippen, die Bezeichnung »voluminös« ist eine glatte Untertreibung, wurden inzwischen achtmal mit Botox oder Hyaluronsäure aufgespritzt, das weißt du ganz genau, und in dein Körperinneres wurde tonnenweise künstliches Gewebe implantiert, das Dr. Schönblick Gott weiß woher genommen hat, erinnere dich bitte an deine kaputten Kniegelenke oder an die Raumschiffe von Brüsten, wow -. Du setzt dir die Brille mit Retina-Display auf, um dich, vergiß bitte die Grunzlaute, die immer ertönen, wenn du dich vom Stuhl erhebst, zu vergewissern, dass die Animation auf dem Monitor mit dem Bild der auf ultrasuperokkular getuneten Tiffany im dreidimensionalen Display der Brille übereinstimmt, das du gestern Nacht noch schnell am Screen entworfen hast. Falls du deinen Kopf bewegst, wandert sowohl das Gesicht auf dem Screen als auch das Gesicht auf dem Display mit. Gottverdammter Shit, eine Epiphanie, die deinen Herzmuskel, ja das Gehirn mit dem Segen der Geilheit erfüllt. To deon. Hör bitte auf dumme Fratzen zu schneiden, wir sind hier nicht in einem Jerry-Lewis-Film, das fordert jedenfalls der große rechteckige Spiegel, der in deinem Büroraum neben der Reproduktion eines Papstbildes von Francis Bacon hängt.

Dass die Warenwelt niemals zum Sonderpreis über die Theke ginge, auch wenn der globale Kapitalismus oft nur das Begehren des Geizhalses radikalisiere, der aus seiner Bescheidenheit einen Exzess mache, indem er (exzessive) Konsumausgaben tätige, nur um zu sparen. Dass die den Lauf der Dinge begleitende Schmerzerregung bei den Individuen nichts als Lustgewinn sei, die passende Begleitmusik der (falsch verstandenen) Wunschökonomie, die unstillbar in die ökonomischen Kreisläufe ausgewandert sei, wo sie die Individuen unter die Imperative des (vermeintlich unendlichen) Genießens stelle, dessen Steigerungsprogramme in biotechnischer, neuronaler und chemischer Hinsicht den Psychedelics- bzw. den Consumer- Anonymus hervorbrächten, der die geplante Steigerung der individuellen Leistungs- und Konsumziele als Dienstleistung in Anspruch nähme, als Kaufakt, der auch die Arbeit trage, weil sie wie alles gekauft, d.h. konsumiert werden müsse. Dass wie bei jedem Kaufakt eine Nachfrage vorausgesetzt bleibe, die der Nachfragende bzw. Konsumierende verkörpere, der durch den Hinzukauf der aktuellen Arbeits- und Konsumprogramme seinen Informations-, Fitness- oder Konsumwert steigere, z.B. durch den Einstieg in die immer wiederkehrenden Trends, in denen die Produkte der Popmärkte wie »Wertpapiere «zirkulieren würden, Verbriefungen der Selbstoptimierungen wie der eigenen Hipness, mit denen die Lifestyle- Design-Industrien die Lifestyle-Subjekte ihrer Wertigkeit versichern und beglaubigen würden. Dass der persönliche Wert gleich dem Preis sei, zu dem der Konsument akzeptiere, seine ureigenen Perzeptionen der Warenwelt kreativ auszugestalten, um sich schließlich auszutauschen, aber sich dann doch nicht austausche, nur um seinen Preis weiter zu erhöhen. Dass das Begehren keinen Hunger kenne. Dass die Deterritorialisierung des Kapitals nichts mit den minoritären Bewegungen der Konsumenten zu tun habe. Dass die Kapitale wie die Konsumenten sich niemals in einer Notlage befänden. Dass Eigentümer Eigentümer blieben. Dass die Preise der Duftkompositionen, der erotisch animalischen Effekte, Zibet und Biber, Geruchsnervositäten, schnuckelige Schmuck-Dinger, Images und Bilder die Entwertung der Arbeit anzeigen würden und vollkommen unabhängig von der Bewertung der Arbeit seien, weil Habitus bzw. Distinktionswilligkeit der Consumer nur die Information bewerten würden, die dem Produkt als zusätzliche Eigenschaften aufgepropft werden. Dass Produkte, die singulär seien, das persönliche Abendkleid oder das Sexprofil, nach personalisierten Preisen verlangen, die wiederum eine neue Heterogenität des Designs bzw. des Marketings erfordern würden oder die Notwendigkeit, die Dinge in ihrer maximalen Ausstellbarkeit wie in der Kunst zu produzieren.

 
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